Boekgegevens
Titel: Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
Auteur: Bergemann, Paul
Uitgave: Gera: Theodor Hofmann, 1900
Auteursrechten: Zie auteursrechten
Citeerinstructie: Bijzondere Collecties van de Universiteit van Amsterdam, UBM: IWO 670 J 10
URL: http://schoolmuseum.uba.uva.nl/bookid/LCSM_200003
Onderwerp: Pedagogiek: sociale pedagogiek
Trefwoord: Sociale pedagogiek, Handboeken (vorm)
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   Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
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§ 35. Die Objekte oder Gegenstände der Erziehung. 329
weiter aus. Desgleichen gewinnen die sittlichen Gefühle mit
dem Beginne einer selbständigen sittlichen Entwickelung an Selb-
ständigkeit und Tiefe. Aufserdem machen wir die Wahrnehmung,
dafs an die Stelle der früheren Unbeständigkeit und Impulsivität
mit den allzu rasch wechselnden und umschlagenden Gefühlen
und der Sprunghaftigkeit des Begehrens allmählich eine gröfsere
Beständigkeit und Stetigkeit tritt. Indem einzelne Triebe zu
herrschenden werden, bedingen sie das allmähliche Vorwalten
gewisser fester Lebensgewohnheiten und Charaktereigen-
schaften, und das Kind sucht nun seine Befriedigung und sein
Glück nicht mehr planlos in allem möglichen, was ihm gerade
zufällig in den Weg kommt, sondern in dem, was der Richtung
seines sich befestigenden und zielbewulsteren Begehrens und
Strebens entspricht. Typisch ist an dem heranwachsenden Zög-
ling endlich auch die geflissentliche Sorgfalt, seine innersten Ge-
fühle nicht mehr so offen wie früher zur Schau zu tragen;
im Gegensatze zu dem kleinen Kinde sucht er dieselben vor
Fremden nicht nur, sondern auch vor Freunden, Bekannten,
Verwandten, selbst vor den Eltern nach Möglichkeit zu ver-
bergen. Diese Scheu, seine Gefühle zu zeigen, äufsert sich bei
den Knaben in der oft affektierten Derbheit der sogenannten
Flegeljahre, bei den Mädchen tritt sie als blöde, zimperliche,
empfindsame und empfindliche Schüchternheit und Verschlossen-
heit der sogenannten Backfischjahre in die Erscheinung. Wir
haben darin die „erste und darum noch etwas einseitig auftretende
Form eines selbständigen Gefühls- und Gemütslebens", den „An-
fang einer den naturgemäfsen Ubergang von der Stufe der Un-
mündigkeit zu der der Mündigkeit bildenden Emanzipation auch
dieser Seite des geistigen Lebens von fremder Leitung und Beein-
flussung' zu erblicken.
Was das Willensleben noch im Besonderen betrifft, so ist zu
bemerken, dafs mit der neuen Lebensstellung, in welche das Kind
mit dem schulpflichtigen Alter eintritt, sich ja ganz von selbst
die Notwendigkeit einer entschiedeneren Bethätigung des Willens
ergiebt. Das Kind soll arbeiten, soll lernen; aber das ist nur
möglich, wenn es arbeiten, wenn es lernen will; wenn es darauf
seine Aufmerksamkeit und seine Kraft ganz absichtlich und be-
wufst konzentriert. Da gerät das Kind in ein gewisses Dilemma,
in einen gewissen Konflikt hinein: zwei Seelen streiten sich in
seiner Brust um die Oberherrschaft. Auf der einen Seite hat
es wohl das Verlangen, Neues zu erfahren und sich nützlich zu