Boekgegevens
Titel: Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
Auteur: Bergemann, Paul
Uitgave: Gera: Theodor Hofmann, 1900
Auteursrechten: Zie auteursrechten
Citeerinstructie: Bijzondere Collecties van de Universiteit van Amsterdam, UBM: IWO 670 J 10
URL: http://schoolmuseum.uba.uva.nl/bookid/LCSM_200003
Onderwerp: Pedagogiek: sociale pedagogiek
Trefwoord: Sociale pedagogiek, Handboeken (vorm)
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   Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
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326 III- Teil. Der theoretisclie Aufbau der sozialen Erziehungslehre.
scheinbar müfsig und gedankenlos umher, sodafs übereifrige,
psychologisch nicht hinreichend geschulte Erzieher glauben, es
schleunigst mit irgend etwas, einer Arbeit oder einem Spielwerk
beschäftigen zu müssen. In Wahrheit ist es aber weder müfsig
noch gedankenlos, sondern nur versunken in die Betrachtung der
wunderbaren Welt des Geistes. Das eigentümliche Getriebe seines
Innenlebens, das Kommen und Gehen der Gedanken, das Durch-
einanderwogen der Gefühle und Begierden absorbiert seine ganze
Aufmerksamkeit: es kann sich gar nicht genug darin thun, in
diese, ihm noch so neue Welt hineinzuschauen.
Von grofsem Vorteil für das Denken des Zöglings ist in
dieser Periode die immer zunehmende Sprachfertigkeit und
Sprachgewandtheit. Wickeln sich auf Grund der erstarkten
Aufmerksamkeit die Wahrnehmungs-, auf Grund des erstarkten
Gedächtnisses in Verbindung mit der gewachsenen Sprachfertig-
keit die Erinnerungsverläufe immer schneller und besser ab, so
veranlafst diese letztere allein das Zustandekommen immer mehr
und mehr sich vervollkommnender Einbildungs- und Abstraktions-
verläufe. Und das Denken, d. i. das prädikative Vorstellen,
das Urteilen, ist ja nichts anderes als eine Komplikation all
dieser verschiedenen Vorstellungsverläufe; es ist, kann man ganz
kurz sagen, ein sprachlich zum Ausdruck gebrachter
Bedeutungsverlauf, der eben als Bedingung seines Zustande-
kommens alle jene anderen Vorstellungsverläufe voraussetzt.
Während ein Bedeutungsverlauf in uns auf diese Weise wirklich
geworden ist, entwickelt sich beim Denken, ohne diesen zu trennen,
ein prädikativer Verlauf von WortvorsteUungen; und wenn diese
Wortvorstellungen getrennt das wiedergeben, was in den Be-
deutungen ungetrennt enthalten ist, dann wird das Denken zu
einem richtigen. Es ist gar kein Anlafs dazu vorhanden anzu-
nehmen, wie das gewöhnlich geschieht, dafs mit dem Denken eine
ganz besondere Art von VorsteUungsverläufen eintritt. Das Denken
ist eben nur ein komplexerer Vorstellungsverlauf als die übrigen.
Ja, in Wirklichkeit vollzieht sich unser Denken für gewöhnlich
gar nicht einmal so kompliziert, wie ich angegeben habe. Das
Denken ist ziemlich träge. Beim schnellen Lesen z. B. sind die
Bedeutungen gar nicht in unserem Bewufstsein, sondern nur die
Worte; die Auffassung der Bedeutungen der Worte und ihrer
Beziehungen vollzieht sich vielmehr auf dem Untergrunde des
Unbewufsten: dieselben sind nicht bewufst, sondern unbewufst er-
regt, werden unbewufst reproduziert. Und was die Gliederung