Boekgegevens
Titel: Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
Auteur: Bergemann, Paul
Uitgave: Gera: Theodor Hofmann, 1900
Auteursrechten: Zie auteursrechten
Citeerinstructie: Bijzondere Collecties van de Universiteit van Amsterdam, UBM: IWO 670 J 10
URL: http://schoolmuseum.uba.uva.nl/bookid/LCSM_200003
Onderwerp: Pedagogiek: sociale pedagogiek
Trefwoord: Sociale pedagogiek, Handboeken (vorm)
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   Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
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322 III- Teil. Der theoretisclie Aufbau der sozialen Erziehungslehre.
die Vertrautheit der Kinder — und zwar von einigen tausend
Kindern — mit 75 verschiedenen Gegenständen und Ideen geprüft,
wobei sich herausstellte, dafs bei Mädchen die weiterverbreiteten,
bei Knaben die mehr ins Einzelne gehenden und exceptionelleren
Begriffe überwogen. In folgenden Begriffen zeigten sich die
Mädchen überlegen: Name und Beruf des Vaters, Gewitter, Regen-
bogen, Kartoffelfeld, Mond, Quadrat, Kreis, Alexander-Platz, Fried-
richshain, Morgenrot, Eiche, Tau und Botanischer Garten. Ferner
stellte sich heraus, dafs die Mädchen mehr Raum-, die Knaben
mehr Zahlbegriffe hatten. Da ist wohl der Schlufs gerechtfertigt,
dafs es sich hierbei um Unterschiede der Disposition handelt;
denn die Gelegenheit zur Aneignung dieser Begriffe ist doch jeden-
falls für beide Geschlechter gleich grofs. Überlegen waren als-
dann die Mädchen den Knaben in Erzählungen: 60,5 "/o Mädchen
gegen 38,5®/o Knaben, die Knaben den Mädchen in religiösen
Vorstellungen: war doch den Mädchen Rotkäppchen besser als
Gott und Schneewittchen besser als Christus bekannt. Auch darin
waren die Knaben den Mädchen voran, dafs die Zahl der Knaben,
welche einen vorgesprochenen Satz nachsprechen, eine vorgesungene
musikalische Phrase nachsingen konnten, gröfser als die der Mädchen
war. Hall stellte seine Untersuchungen an mehreren hundert Schul-
kindern, Inzipienten in Boston an und kam dabei im grofsen und
ganzen zu den nämlichen Resultaten wie die Berliner. Er operierte
mit 49 typischen Fragen; in 34 davon wurden die Mädchen von
den Knaben übertroffen: das war in Berlin mit 75 "/o <îer Ant-
worten der Fall. Die Mädchen zeichneten sich in Boston bei den
Fragen nach Körperteilen, nach häuslichem und Familienleben, nach
Donner, Regenbogen, Quadrat, Kreis, Dreieck aus, während die
weiter abliegenden Begriffe wie Würfel, Kegel, Pyramide ihnen
nicht geläufig waren. Die Erzählungen der kleinen Mädchen
waren phantasiereicher, dagegen standen sie, was die Kenntnis
äufserer entfernterer Dinge betraf, alsdann in der Kenntnis der
Zahlen und der Tiere und im Gesang ganz entschieden hinter den
Knaben zurück. Diese Bemerkungen möchte ich abschliefsen mit
einem Zitat aus dem Berliner Bericht; es heifst da u. a. wörtlich:
,Je gewöhnlicher, naheliegender und leichter ein Begrifi' ist, desto
gröfser ist die Wahrscheinlichkeit, dafs die Mädchen die Knaben
übertreffen werden — und umgekehrt. Bei Knaben kommt es
häufiger vor als bei Mädchen, dafs sie ganz gewöhnliche Dinge
aus ihrer nächsten Umgebung nicht kennen." Ganz ähnlich spricht
sich Paul Lafitte in seiner Schrift „Le Paradoxe de l'Egalité"