Boekgegevens
Titel: Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
Auteur: Bergemann, Paul
Uitgave: Gera: Theodor Hofmann, 1900
Auteursrechten: Zie auteursrechten
Citeerinstructie: Bijzondere Collecties van de Universiteit van Amsterdam, UBM: IWO 670 J 10
URL: http://schoolmuseum.uba.uva.nl/bookid/LCSM_200003
Onderwerp: Pedagogiek: sociale pedagogiek
Trefwoord: Sociale pedagogiek, Handboeken (vorm)
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   Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
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320 III- Teil. Der theoretisclie Aufbau der sozialen Erziehungslehre.
Gleichwohl bleibt es eine unumstöfsliche Wahrheit, dafs das Kind
von seinem zweiten bis siebenten Lebensjahre sehr viel und viel
mehr als in irgendeiner anderen gleich grofsen Periode seines
späteren Lebens lernt und als bleibenden geistigen Besitz — näm-
lich in formaler Hinsicht — gewinnt. Für die grofse geistige
Regsamkeit des Kindes in dieser Zeit spricht auch die vom dritten
Jahre an immer wachsende Fragelust; mit seinen Fragen greift das
Kind nach allem, was es hört und sieht; es fragt nach dem Grunde,
dem Zwecke, der Gröfse, der Zeit u. a. m., bis es zu einer Art
Weltbild in einer gewissen Abrundung gelangt ist. Das geschieht
hier freilich ziemlich rasch. „Wenige Schritte unter der Ober-
fläche", bemerkt Horwicz einmal treö'end, „beruhigt sich das
kindliche Denken bei einer ihm dargebotenen bequemen Allgemein-
Abstraktion". Auch die den Kindern in dieser Zeit eigene Zer-
störungslust kann man hierher rechnen. Dieselbe hat freilich
auch noch manche andere Gründe, z. B. das Verlangen nach Ab-
wechselung; aber der Hauptsache nach beruht sie doch wohl auf
der Neugierde, der Wifsbegierde des Kindes, das sich gern durch
eigene Anschauung davon überzeugen möchte, was eigentlich an,
in und hinter der Sache, etwa einem Spielzeuge, ist. Nicht min-
der rege und beweglich wie sein intellektuelles ist auch das
Affekt- und Willensleben des Kindes; es befindet sich
geradezu in einer beständigen Erregung. Seine Gefühle sind hef-
tig, sogar bis zur Mafslosigkeit, dabei aber wie sein Interesse an
den Dingen seiner Umgebung schnell wechselnd, was auch be-
züglich seines Begehrens und Wollens gilt. Von einem eigent-
lich sittlichen Charakter ist jetzt natürlich noch keine Rede; nur
sein Autoritäts-Trieb ist nicht nur stark, sondern auch ziem-
lich konstant: das Gewissen der Eltern ist auch das Ge-
wissen des Kindes, seine Haupttugend ist der Ge-
horsam.
Endlich möchte ich hier noch auf einige Unterschiede in
der geistigen Entwickelung der Knaben und der Mädchen, wie
sie sich bis zum Ende der zweiten Periode herausgebildet haben, und
auf die Verteilung angeborener Anomalien auf die beiden
Geschlechter hinweisen. Was diesen letzteren Punkt zunächst
betriff't, so haben zahlreiche und sorgfältige Untersuchungen ergeben,
dafs Anomalien aller Art, die durch Entwickelungshemmungen oder
unbekannte pathologische Störungen in frühen Stadien des em-
bryonalen Daseins bedingt sind, immer häufiger bei männlichen
als bei weiblichen Individuen zu finden sind. Unter einer Million