Boekgegevens
Titel: Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
Auteur: Bergemann, Paul
Uitgave: Gera: Theodor Hofmann, 1900
Auteursrechten: Zie auteursrechten
Citeerinstructie: Bijzondere Collecties van de Universiteit van Amsterdam, UBM: IWO 670 J 10
URL: http://schoolmuseum.uba.uva.nl/bookid/LCSM_200003
Onderwerp: Pedagogiek: sociale pedagogiek
Trefwoord: Sociale pedagogiek, Handboeken (vorm)
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   Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
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§ 35. Die Objekte oder Gegenstände der Erziehung. 319
Sprachbildungen der Rektion und der Flexion sind ja in der That
im Anschlufs an Bedeutungs-Unterschiede entstanden, wie auch
die Gliederung der Worte als Redeteile einen sachlichen Unter-
grund hat und in der Verbindung der Worte zu Sätzen, also in den
als Redeteile auftretenden Worten Bedeutungs-Beziehungen zum
Ausdrucke kommen. Man kann geradezu sagen, dafs die Redeformen,
also die Sätze, Produkte des logischen Denkens sind. So ist weiter-
hin die Behauptung gerechtfertigt, dafs jede entwickelte Sprache
für uns urteilt, für uns denkt. Indem wir nun eine solche ent-
wickelte Sprache lernen; indem das deutsche Kind seine
Muttersprache lernt, lernen wir, lernt es die logischen
Denkformen unwillkürlich, unbewufst mit. Mit dem Sprechen
lernt das Kind demnach gleichzeitig das Denken. Und je mehr
sich seine Sprachfertigkeit steigert und befestigt, desto gewandter wird
das Kind. Eine sehr bemerkenswerte Probe seiner Denkgewandt-
heit legt es in der zweiten Periode seines Lebens ab, wenn es
zum ersten Male mit Bewufstsein „ich* sagt.
Die Erlernung der Sprache und alles, was damit zusammen-
hängt, ist das wichtigste Ereignis im intellektuellen Leben des
Kindes in der zweiten Periode seiner Entwickelung, besonders
auch nach der Richtung hin, dafs ihm dadurch die freie Er-
innerung zugänglich gemacht wird, da ja diese freie Erinnerung
die unerläfsliche Vorbedingung für das Zustandekommen aller
höheren Geistesthätigkeit ist. Sehr beachtenswert im allgemeinen
ist die in dieser Zeit bemerkbare aulserordentliche geistige Reg-
samkeit des Kindes und seine Lebendigkeit, die sich in dem be-
reits hervorgehobenen Interesse für alle Gegenstände, die im Be-
reiche seiner Beobachtung liegen, kundthun und in einer grofsen
Leichtigkeit der Auffassung und Aneignung äufsern, welcher aller-
dings eine gleich grofse Treue und Beharrlichkeit des Gedächt-
nisses keineswegs entsprechen. Wie denn der Dinge, an die wir uns
aus unserer frühen Kindheit auch in späteren Jahren noch klar
und bestimmt erinnern können, immer nur verhältnismäfsig wenige
sind. Es erklärt sich das aus dem bunten Vielerlei der ersten
Jugendeindrücke, die infolge ihrer absoluten Neuheit und infolge
der noch mangelnden intensiven Aufmerksamkeit nicht fest genug
haften und dann rasch wieder von den anderen in den Hinter-
grund gedrängt werden. Aufmerken im eigentlichen Wortverstande
kann das Kind da eben noch nicht, das lernt es erst später, wenn
es widerstandsfähiger geworden ist, nicht mehr so leicht ermüdet;
denn Aufmerksamkeit ist geistige Arbeit von sehr intensiver Art.