Boekgegevens
Titel: Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
Auteur: Bergemann, Paul
Uitgave: Gera: Theodor Hofmann, 1900
Auteursrechten: Zie auteursrechten
Citeerinstructie: Bijzondere Collecties van de Universiteit van Amsterdam, UBM: IWO 670 J 10
URL: http://schoolmuseum.uba.uva.nl/bookid/LCSM_200003
Onderwerp: Pedagogiek: sociale pedagogiek
Trefwoord: Sociale pedagogiek, Handboeken (vorm)
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   Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
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§ 35. Die Objekte oder Gegenstände der Erziehung. 317
zu dem verwenden, was ihre eigentliche Bestimmung ist, zum
Wirken und Handeln. Und indem endlich auf diese Weise das
Kind in den Stand gesetzt ist, sich den Dingen ungehindert zu
nähern, und indem es dieselben somit genauer zu untersuchen und
besser voneinander zu unterscheiden vermag, wird seine sinnliche
Erfassung der Aufsenwelt immer präziser, gelangt, formal ge-
nommen, seine gesamte Sinnes-Thätigkeit zu immer höherer Aus-
bildung. Wie ja auch schon ein wesentlicher Vorzug der Tiere
vor den Pflanzen darauf beruht, „dafs sie in freier Bewegung sich
den Objekten der Aufsenwelt nähern und sie teils prüfend unter-
suchen, teils zu eigenem Genüsse ergreifen und sich zueignen
können." War des Zöglings geistige Thätigkeit in der ersten
Periode seines Lebens dadurch charakterisiert, dafs in dieselbe die
Erlernung der Sinneswahrnehmungen und die Gewinnung eines
in allgemeinen Zügen gehaltenen Weltbildes fiel, so wird dasselbe
also jetzt immer vollkommener und genauer, immer spezialisierter
und ausgeführter. Und indem das Kind seine Umgebung immer
besser und detaillierter kennen lenit, baut sich in ihm auch eine
reiche innere Welt auf, wennschon es von derselben zunächst noch
keine Ahnung hat. Dabei leistet ihm die Erlernung der
Sprache die vorzüglichsten Dienste.
Die Sprache ist der Mittel- und der Brennpunkt gleichsam
des ganzen geistigen Lebens; sie wird das jetzt ebenfalls für das
Kind. An der Hand der Sprache lernt es nunmehr auch
denken. Die, wenngleich nicht letzten und einfachsten, Bestand-
teile der Sprache sind die Worte. Dieselben sind, psychologisch
genommen, Vorstellungen. Es lassen sich im ganzen drei Arten
von grundlegenden Wortvorstellungen unterscheiden: akustische,
optische und motorische, welche letztgenannten der Hauptsache
nach nur für die Taubstummen in Betracht kommen. Es sind
das nämlich die Wortvorstellungen der Fingersprache und die der
artikulierten, durch Nachahmung der Muskelbewegungen des Mun-
des erlernbaren Lautsprache. In dieser letzteren Beziehung spielen
naturgemäfs die motorischen Wortvorstellungen auch bei der
Spracherlernung normaler Kinder eine gewisse, jedoch ziemlich
nebensächliche Rolle, ja, man kann fast sagen, beim eigentlichen
Sprechenlernen gar keine. Erst, wenn das Kind schon sprechen
kann, hat es Sinn, es auf die Bewegung der Sprachorgane beim
Sprechen aufmerksam zu machen, dieselben ihm vorzumachen und
sie dann nachahmen zu lassen, nämlich behufs korrektest und an-
gemessenst möglicher Lautbildung; es ist das vornehmlich Auf-