Boekgegevens
Titel: Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
Auteur: Bergemann, Paul
Uitgave: Gera: Theodor Hofmann, 1900
Auteursrechten: Zie auteursrechten
Citeerinstructie: Bijzondere Collecties van de Universiteit van Amsterdam, UBM: IWO 670 J 10
URL: http://schoolmuseum.uba.uva.nl/bookid/LCSM_200003
Onderwerp: Pedagogiek: sociale pedagogiek
Trefwoord: Sociale pedagogiek, Handboeken (vorm)
Bekijk als:      
Scan: Afbeeldinggrootte:
   Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
Vorige scan Volgende scanScanned page
316 III- Teil. Der theoretisclie Aufbau der sozialen Erziehungslehre.
Hindernisse zu beseitigen, die Natur so vöUig zu beherrschen, »dafs
gar keine degradierende Anpassung melir erforderlich wäre, so
dafs eben die Erreichung des weiblichen Typus, der zwischen dem
männlichen und dem kindlichen die Mitte einhält (man erinnere
sich dessen, was ich zuvor ausgeführt habe, namentlich auch der
die Hirn entwickelung betreffenden Daten), uns schon genügen
mufs. Dafs die Entwickelung thatsächlich diese Tendenz ver-
folgt, das kann gegenüber den Thatsachen der Erfahrung gar
nicht zweifelhaft sein: das allmähliche Zurücktreten des mili-
tärischen hinter den industriellen Typus und viele Einzelheiten
des modernen Lebens, z. B. die ungeheure Ausdehnung, welche
die Frauenbewegung in so kurzer Zeit gewonnen hat, ja auch
ganz bestimmte anatomisch-physiologische Daten, wie solche u. a.
Ellis beibringt, sprechen dafür. Natürlich ist das nicht so auf-
zufassen, als ob die Männer den Frauen in allen Beziehungen
immer ähnlicher würden; sondern es kann das selbstverständlich
nur ganz im allgemeinen gelten, sofern der männliche Typus an
Brutalität und Robustheit verliert, an Feinheit und
Zartheit der Organisation gewinnt. Im Naturzustande stehen,
wie wir gesehen haben, die Frauen den Männern ziemlich nahe;
im Kulturzustande hingegen vertreten sie das feiner und zarter
organisierte Element. Und allem Anschein nach hat eben die
Entwickelung die Tendenz, auch die männliche Konstitution immer
mehr zu verfeinern und zu verzarten, so dafs man in den be-
rühmten und viel zitierten Schlufsworten des Goethe'schen „Faust"
geradezu eine biologische Wahrheit erblicken mufs: das Kultur-
weih als das im allgemeinen zartere und feinere Wesen ist ge-
wissermafsen das Ziel, auf welches die Entwickelung hinstrebt,
das immanente, mit gewaltiger Anziehungskraft ausgestattete
Ideal der Evolution.
Kehren wir jedoch nach dieser Abschweifung zu dem Ent-
wickelungsgange des Zöglings zurück. Mit dem Erstarken seines
Knochen- und seines Muskelsystems erlangt das Kind auf dieser
Altersstufe die Kraft und die Fertigkeit selbständigen Gehens,
was für dasselbe in verschiedener Hinsicht von gröfster Wichtig-
keit ist, namentlich auch in geistiger. Indem das Kind nicht
mehr von dem Erwachsenen getragen zu werden braucht, wird es
von ihm unabhängiger: es ist dies also der erste entscheidende
Schritt zu seiner Verselbständigung. Kann es erst wirklich
gehen, braucht es seine Händchen nicht mehr mit zur Fort-
bewegung, bekommt es dieselben also ganz frei, dann kann es sie