Boekgegevens
Titel: Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
Auteur: Bergemann, Paul
Uitgave: Gera: Theodor Hofmann, 1900
Auteursrechten: Zie auteursrechten
Citeerinstructie: Bijzondere Collecties van de Universiteit van Amsterdam, UBM: IWO 670 J 10
URL: http://schoolmuseum.uba.uva.nl/bookid/LCSM_200003
Onderwerp: Pedagogiek: sociale pedagogiek
Trefwoord: Sociale pedagogiek, Handboeken (vorm)
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   Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
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§ 35. Die Objekte oder Gegenstände der Erziehung. 315
seiner Entwickelung, d. h. in morphologischer Hinsicht, in-
dem es jetzt so ziemlich auswächst. Von da an wächst, mufs
man geradezu sagen, das Kind langsam in Degradation und
Senilität hinein. Mit der definitiven Loslösung des Kindes von
der Mutter beginnt eben die Zeit, da das Kind sich der es um-
gebenden Welt allmählich anpassen mufs. Bei dieser Anpassung
bleibt nichts anderes übrig, als einiges von dem zu opfern, was
es bisher auszeichnete. Das Kind mufs von seiner überreichen
Veranlagung, die es auf die Welt mitgebracht und die sich noch
anfangs gesteigert hat, manches darangeben, weil es, wie die
Dinge nun einmal liegen, nicht als Übermensch, sondern blols
als Mensch schlechthin existieren kann. Mit anderen Worten:
der Kampf ums Dasein erheischt die Degradation, fordert ge-
bieterisch die Überwindung des zarten, widerstandsunfähigen fötalen
und infantilen Typus der ersten Zeit — und zwar nicht etwa nur
der individuelle Kampf ums Dasein, sondern dergleichen ist un-
bedingt notwendig, wenn die Erhaltung und Stabilität der Spezies
gesichert sein soll. Jedoch ist hierzu noch Folgendes zu bemerken.
Die unaufhaltsam fortschreitende Höher-Entwickelung des Hirns,
welche ich unter Anführung bestimmter Zahlen früher schon
nachgewiesen habe, bedingt eine immer gröfser werdende Ent-
faltung der geistigen Kräfte. Die Folge davon ist wieder, dafs
die Menschheit die Natur und die in ihr waltenden Kräfte immer
mehr und besser sich unterthan zu machen imstande ist; dafs sie
die Herrschaft über die Dinge immer mehr an sich zu bringen
und immer vollkommener zu handhaben versteht, was ja auch
thatsächlich die Erfahrung bestätigt. Dadurch wird der Kampf
ums Dasein fortschreitend erleichtert, werden fort und fort
günstigere, zunehmend mildere Lebensbedingungen ge-
schaffen, an welche sich anzupassen eine immer weniger grofs
werdende Degradation, eine immer weniger grofs werdende Ent-
fernung vom ursprünglichen infantilen Typus nötig ist, wenn-
schon, wie dies ja nach dem Gesetze der Vererbung nicht anders
möglich ist, dieser selbst beständig immer weiter hinaufrückt.
Man kann das auch so ausdrücken, dafs man sagt: die Mensch-
heits-EntWickelung ist im Fortschritt zum Typus des
Jugendlichen begriffen — die Menschheit verjugendlicht, ver-
kindlicht sich oder, ist noch besser zu sagen, verweiblicht sich.
Denn aller Voraussicht nach wird wohl kaum etwas anderes mög-
lich sein als eben eine gewisse Annäherung an den kindlichen
Typus, werden die Menschen wohl niemals dahin kommen, alle