Boekgegevens
Titel: Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
Auteur: Bergemann, Paul
Uitgave: Gera: Theodor Hofmann, 1900
Auteursrechten: Zie auteursrechten
Citeerinstructie: Bijzondere Collecties van de Universiteit van Amsterdam, UBM: IWO 670 J 10
URL: http://schoolmuseum.uba.uva.nl/bookid/LCSM_200003
Onderwerp: Pedagogiek: sociale pedagogiek
Trefwoord: Sociale pedagogiek, Handboeken (vorm)
Bekijk als:      
Scan: Afbeeldinggrootte:
   Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
Vorige scan Volgende scanScanned page
314 III- Teil. Der theoretisclie Aufbau der sozialen Erziehungslehre.
und auch selbst häufig versucht, die von ihm wahrgenommenen
und ergriifenen Objekte tönen und klingen zu machen. Indem
sich auf diese Weise die Empfindungen mehrerer Sinne miteinander
verbinden, kommt es allmählich zu einer wirklichen Wahrnehmung
der Dinge der Aufsenwelt, zu einem bewufsten Wissen um die-
selben und damit zu Vorstellungen und Erinnerungen, zunächst
noch gebundenen. Mit dieser Entwickelung des Vorstellungs-
lebens geht Hand in Hand die des Gefühlslebens in der
Richtung der sinnlichen oder der Empfindungsgefühle, aus denen
dann später die intellektuellen Gefühle entstehen.
Aber aufserdem entfaltet sich auch das Triebleben des
Kindes nebst den damit zusammenhängenden Gefühlen, die wie
jenes inner-organisch bedingt und daher geradezu als Organ-
gefühle zu bezeichnen sind. Auf dieser Grundlage baut sich des
Zöglings Affektleben auf, das dann wieder zu dem Vorstellungs-
leben in vielfache intime Beziehungen tritt, so dafs sich beide
wechselseitig auf die mannigfachste Weise beeinflussen, wie dies
deutlich an dem daraus resultierenden Willensleben zu Tage tritt.
Anfänglich ist das Wollen des Kindes ein blofses unklares Be-
gehren, das ganz unwillkürlich aus den, von Gefühlen der Lust
und der Unlust begleiteten Trieben hervorgeht, denen entsprechend
es auf nichts anderes als auf die Befriedigung leiblicher Bedürf-
nisse, auf Nahrung, Bewegung u. dgl. m. ausgeht. Ist doch der
physische Selbsterhaltungstrieb unter den menschlichen Trieben
derjenige, der sich zuerst und das kindliche Leben ausschlielslich
beherrschend geltend macht. Hand in Hand mit dem Entstehen
der sinnlichen und der intellektuellen Gefühle erwachen dann
jedoch noch andere Begierden, indem jetzt sich der Erkenntnis-
und der Thätigkeitstrieb zu regen beginnen; das Kind fordert
diesen oder jenen Gegenstand zur Betrachtung und zur Beschäf-
tigung. Bald gesellt sich auch der Gemeinschaftstrieb hinzu;
das Kind will beachtet sein und verlangt nach Liebesbezeugungen,
nach Gesellschaft und Unterhaltung.
In der folgenden Periode der Entwickelung wird das Kind
nicht mehr von der Mutter oder Amme genährt, sondern es lernt
nun mehr und mehr eine mannigfaltigere und kräftigere Nahrung
vertragen. Sein leibliches Leben erstarkt mehr und mehr, und
damit zugleich werden für sein geistiges Leben immer günstigere
Bedingungen geboten: sein Hirn entwickelt sich nämlich jetzt
aufserordentlich rasch und kräftig und erreicht in dieser Zeit,
etwa im dritten Lebensjahre, überhaupt den Höhepunkt