Boekgegevens
Titel: Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
Auteur: Bergemann, Paul
Uitgave: Gera: Theodor Hofmann, 1900
Auteursrechten: Zie auteursrechten
Citeerinstructie: Bijzondere Collecties van de Universiteit van Amsterdam, UBM: IWO 670 J 10
URL: http://schoolmuseum.uba.uva.nl/bookid/LCSM_200003
Onderwerp: Pedagogiek: sociale pedagogiek
Trefwoord: Sociale pedagogiek, Handboeken (vorm)
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   Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
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14 I- Teil. Die pädagogischen GrundbegriflFe.
Die Frage, welche sich bei obigen Daten wohl ganz von
selbst aufdrängt, die Frage, welcher elterliche Einfluss bei der
Vererbung der ausschlaggebende oder der überwiegende ist, und wie
derselbe sich im einzelnen geltend macht, kann vorläufig ebenso-
wenig mit einer letzten, sicher gesetzmälsigen Erklärung beant-
wortet werden wie die nach den Grenzen der Vererbung. Nur
so viel lässt sich mit einigermafsen Bestimmtheit sagen, dafs das
Kind von beiden Eltern erbt und niemals einer derselben aus-
schliefslich zur Wirkung kommt. Jedoch übt einer von ihnen
sehr häufig einen überwiegenden Einflufs aus; ja, es ist das sogar
zumeist der Fall, aus sehr triftigen und leicht durchschaubaren
Gründen. Sollte das Kind das Gleichgewicht der Eigenschafts-
summe von Vater und Mutter in seinem körperlichen und geistigen
Wesen sein, so müsste zunächst einmal die allgemeine körperliche
und geistige Konstitution beider Eltern sich im Gleichgewicht
befinden. Das ist jedoch eine Bedingung, die höchst selten, ja
fast niemals genau erfüllt sein wird. Aber selbst wenn dem so
wäre, so genügt das noch nicht, es müssen auch noch andere
Bedingungen erfüllt sein, um jene Folge zu zeitigen. Es müfste
vor allem dieses Gleichgewicht im Augenblicke der Zeugung
völlig vorhanden sein: beide Eltern müssten vollständig gleich ge-
sund, vollständig gleich gestimmt sein u. dgl. m. Nun leuchtet wohl
von selbst ein, dafs eine so weitgehende Ubereinstimmung nur in den
allerseltensten Fällen der Wirklichkeit entspricht. Daher ist es eine
grofse Ausnahme, wenn ein Kind wirklich einmal das genaue Mittel
zwischen seinen beiden Urhebern ist; wenn die besonderen Eigen-
schaften beider Eltern wirklich einmal in jedem Teile des Körpers,
in jeder Fähigkeit des Geistes ihres Spröfslings sich finden. Mir
ist weder aus eigener noch aus fremder Erfahrung oder aus der
Geschichte ein solcher Fall bekannt. Trotzdem wäre es voreilig,
wollte man die Möglichkeit seines Vorkommens rundweg leugnen.
Aber das Übliche mufs nach der Lage der Dinge das Überwiegen
des Einflusses eines der Eltern sein. Dieses Übergewicht macht
sich wieder in doppelter Weise geltend, tritt in zwei Formen auf:
nämlich von dem einen Geschlecht auf das gleichnamige oder
auf das ungleichnamige, also von Vater auf Sohn, Mutter auf
Tochter oder von Vater auf Tochter, Mutter auf Sohn. Ein
Gesetz, das die Präponderanz regelt, giebt es jedoch noch nicht;
dieselbe kann durch eine besondere Kraft der Übertragung be-
dingt, aber auch von irgendwelchen Zufälligkeiten abhängig sein.
Im allgemeinen scheint die Vererbung besonders auf das gleich-