Boekgegevens
Titel: Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
Auteur: Bergemann, Paul
Uitgave: Gera: Theodor Hofmann, 1900
Auteursrechten: Zie auteursrechten
Citeerinstructie: Bijzondere Collecties van de Universiteit van Amsterdam, UBM: IWO 670 J 10
URL: http://schoolmuseum.uba.uva.nl/bookid/LCSM_200003
Onderwerp: Pedagogiek: sociale pedagogiek
Trefwoord: Sociale pedagogiek, Handboeken (vorm)
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   Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
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§ 35. Die Objekte oder Gegenstände der Erziehung. 309
zurufen und damit zugleich alle die Gefühle, welche der be-
treffende Gegenstand irgendwann einmal in ihm ausgelöst hat. Die
Sprache setzt also den Menschen in den Stand, von dem unmittel-
baren Vorhandensein des Gegenstandes, an den sich eine Er-
innerung unliebsamer oder erfreulicher Art knüpft, von der Ge-
gebenheit desselben in der sinnlichen Anschauung absehen, von
seiner objektiven Realität abstrahieren zu können. Diese abstrakte
Erinnerung ist die freie Erinnerung. Aber damit ist die für
die Phantasie-Thätigkeit in Betracht kommende Abstraktions-
Fähigkeit noch nicht erschöpft. Um Elemente der Erinnerung be-
liebig kombinieren, aus ihnen einen Gegenstand zusammensetzen zu
können, der als solcher nicht in der objektiven Wirklichkeit gegeben
oder doch zum mindesten nicht der unmittelbaren sinnlichen An-
schauung des betreffenden Individuums zugänglich ist, mufs das-
selbe imstande sein, von den ihm in der Erinnerung gegebenen
Gegenständen, also seinen Erinnerungs-Vorstellungen, gewisse be-
sonders charakteristische Merkmale herauszugreifen, von anderen
abzusehen. Es ist also um das Zustandekommen einer Phantasie-
Vorstellung keineswegs eine leichte Sache, es gehört dazu, um
nochmals kurz zu rekapitulieren, in erster Linie ein Schatz von
Erfahrungen, ferner die Möglichkeit, diese Erfahrungen oder
Wahrnehmungen so festhalten zu können, dafs sie jederzeit zur
freien Verfügung stehen, was nur mit Hilfe der auf der Sprache
beruhenden freien Erinnerung erreichbar ist, endlich die Fähig-
keit, von diesen Erinnerungsvorstellungen diese und jene Merk-
male auszuscheiden und die übrigen so zu verbinden, dafs sich
wirklich ein Gegenstand, wenngleich von nur subjektiver Realität
ergiebt.
Aus alledem folgt, dals von Phantasie-Thätigkeit bei jungen
Kindern gar keine Rede sein kann; in den ersten Jahren seines
Lebens ist das Kind reiner Empirist und kann gar nichts an-
deres sein. Wenn ich oben sagte, dafs die Phantasie-Thätigkeit
wohl unter Umständen dem lebhaften empirischen Interesse voran-
gehe, so ist diese Bemerkung nicht etwa auf die allererste Zeit
im Leben des Kindes zu beziehen, sondern auf die Zeit ungefähr
vom dritten Jahre an. Jedoch ist es eben auch hier blofs Aus-
nahme. Allerdings erwacht nunmehr allmählich die Phantasie in
jedem normalen Kinde; allerdings findet das Kind von jetzt an
Freude an Märchen; aber es ist und bleibt doch noch immer vor-
wiegend Empirist. Und soweit seine Phantasie sich bemerklich
macht, handelt es sich dabei um eine ziemlich rohe Phantasie-