Boekgegevens
Titel: Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
Auteur: Bergemann, Paul
Uitgave: Gera: Theodor Hofmann, 1900
Auteursrechten: Zie auteursrechten
Citeerinstructie: Bijzondere Collecties van de Universiteit van Amsterdam, UBM: IWO 670 J 10
URL: http://schoolmuseum.uba.uva.nl/bookid/LCSM_200003
Onderwerp: Pedagogiek: sociale pedagogiek
Trefwoord: Sociale pedagogiek, Handboeken (vorm)
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   Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
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327 III- Teil. Der theoretisclie Aufbau der sozialen Erziehungslehre.
Interesse, aus dem sich allmählich das verständige Denken ent-
wickele. Das ist in dieser Verallgemeinerung durchaus unrichtig;
es kann dergleichen wohl in einzelnen Fällen vorkommen, aber im
allgemeinen ist es nicht die Regel. Vielmehr mufs gesagt wer-
den: das junge Kind besitzt überhaupt noch gar keine
Phantasie, wohl aber ein reges empirisches Interesse,
ein, wie ich ja soeben ausführte, reges Interesse für seine Um-
gebung. Von Phantasie kann erst dann gesprochen werden, wenn
das Kind bereits einen beträchtlicheren Schatz von Erfahrungen
gesammelt und sein Beobachtungsvermögen eine gewisse Stärke
und Sicherheit erlangt hat. Und auch damit ist es noch nicht
genug; denn zum Zustandekommen von Phantasie-Thätigkeit ist
auch die Fähigkeit der Abstraktion erforderlich. Diese Fähigkeit
gewinnt jedoch erst das sprechende Kind. Um die Richtigkeit
dieser Behauptung einzusehen, mufs man darüber klar sein, was
unter Phantasie eigentlich zu verstehen ist. Die Phantasie ist
als ein Vorstellungsverlauf zu bezeichnen, vermittelst dessen
Elemente der Erinnerung zu Vorstellungen von Gegenständen
kombiniert werden, die so nicht wahrgenommen worden sind.
Wir müssen also einen Fonds von Erinnerungen in uns haben,
mit denen wir frei, ganz nach Belieben schalten und walten
können. Nun ist sicher, dafs wie Wahrnebmungsverläufe so auch
Erinnerungsverläufe sich ohne Wortvorstellungen vollziehen können,
aber nur in einer gewissen Hinsicht: nämlich als gebundene, nicht
als freie Erinnerung. Der Unterschied zwischen gebundener und
freier Erinnerung erhellt ganz deutlich aus Folgendem. Der
Hund, welcher beim Anblick der Peitsche wegläuft, erinnert sich
sehr wohl, dafs dieselbe ihm schon Schmerzen verursacht hat;
und ebenso versteckt das noch sprachlose Kind beim Anblicke
einer Flamme sein Händchen, weU es sich erinnert, dafs auf die
Annäherung der Hand an die Flamme eine Schmerzempfindung
folgte. Aber diese Erinnerungen kommen dem Hunde wie dem
kleinen Kinde nur, wenn ihnen der Gegenstand derselben in der
Wahrnehmung unmittelbar gegeben ist; wenn sie also den Gegen-
stand, an welchen sich irgendeine Erinnerung knüpft, welcher
früher irgendwelche, von Lust- oder Unlustgefühlen begleitete
Empfindungen in ihnen ausgelöst hat, vor sich sehen. Ihre Er-
innerung ist an den Gegenstand der Erinnerung gebunden, ist
nicht frei. Anders liegt die Sache bei dem Menschen, welcher
schon sprechen kann. Derselbe hat in der Sprache ein Mittel,
jeder Zeit jeden beliebigen Gegenstand sich ins Gedächtnis zurück-