Boekgegevens
Titel: Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
Auteur: Bergemann, Paul
Uitgave: Gera: Theodor Hofmann, 1900
Auteursrechten: Zie auteursrechten
Citeerinstructie: Bijzondere Collecties van de Universiteit van Amsterdam, UBM: IWO 670 J 10
URL: http://schoolmuseum.uba.uva.nl/bookid/LCSM_200003
Onderwerp: Pedagogiek: sociale pedagogiek
Trefwoord: Sociale pedagogiek, Handboeken (vorm)
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   Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
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§ 35. Die Objekte oder Gegenstände der Erziehung. 307
umgiebt: es fragt nach keiner anderen, es denkt an keine andere. Die
gegebene durchforscht es mit täglich steigendem, mit immer neuem
und frischem Interesse, das es allen Gegenständen derselben entgegen-
bringt, die im Bereiche seiner Beobachtung liegen, denen der Natur so-
wohl als auch denen der Kultur. Es interessiert sich für alles in seiner
Umgebung, wie für Steine, Pflanzen, Tiere, so auch für menschliche
Verhältnisse. Mit einem Worte: das Kind lebt ganz in der
Gegenwart; es ist sogar noch mehr Kind seiner Zeit, kann man
sagen, als der Erwachsene. Nur dafs, wie es im Leben des Er-
wachsenen auch bisweilen Augenblicke giebt, wo er in Erinnerung
an die Kindheit sich kindlichem Frohsinn und kindlichem Spiele
überläfst, ebenfalls im Leben des Kindes sich Reminiscenzen
aus der Zeit der Kindheit des Menschengeschlechtes
finden. Von einer Analogie, einem Parallelismus zwischen indi-
vidueller und genereller Entwickelung kann man daher in dieser
Hinsicht, mit Rücksicht auf die geistige Entwickelung, eigentlich
blofs in einer gewissen formalen Beziehung sprechen, vor
allem sofern zu bedenken ist, dals das Kind, wie der Mensch
überhaupt, sich allmählich aus der Unreife zur Reife hindurch-
ringt. Aber gleich, sobald man diese Parallele weiterverfolgen,
wenn man sie aus der formalen in die materiale Betrachtungs-
weise hinüberversetzen will, ergeben sich Schwierigkeiten. Es
gelingt dies nur bezüglich einiger wenigen Einzelzüge, wie ich
solche zuvor aufgeführt habe, nicht im grofsen und ganzen.
Dieser Möglichkeit widerspricht ja schon die erwähnte anatomisch-
physiologische Veranlagung des Neugeborenen. Und soweit doch
noch von einer Repetition des psychischen Stammbaumes im eigent-
lichen Sinne nach der Geburt gesprochen werden kann, handelt
es sich dabei um eine aufserordentlich rapide und zusammen-
gedrängte, der Wahrnehmung sich entziehende, was seinen Grund
in der Thatsache findet, die ich schon einmal hervorzuheben Ge-
legenheit hatte, in der Thatsache, dafs das Kind auf einer sehr
hohen Stufe der Organisation steht, sein Hirn enorm entwickelt
ist. Eben nur in einigen wenigen Punkten ist, wie gezeigt wurde,
diese Repetition, wennschon auch bereits mehrfach modifiziert,
noch wahrnehmbar.
Von sonstigen Eigentümlichkeiten in der Entwickelung des
Zöghngs sei jetzt noch Folgendes erwähnt. Es ist bekannt, dafs in
der pädagogischen Litteratur gewöhnlich die Ansicht vertreten wird,
in den ersten Jahren der Kindheit herrsche die Phantasiethätig-
keit vor, erst später erwache beim Kinde das eigentlich empirische
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