Boekgegevens
Titel: Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
Auteur: Bergemann, Paul
Uitgave: Gera: Theodor Hofmann, 1900
Auteursrechten: Zie auteursrechten
Citeerinstructie: Bijzondere Collecties van de Universiteit van Amsterdam, UBM: IWO 670 J 10
URL: http://schoolmuseum.uba.uva.nl/bookid/LCSM_200003
Onderwerp: Pedagogiek: sociale pedagogiek
Trefwoord: Sociale pedagogiek, Handboeken (vorm)
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   Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
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306 III- Teil. Der theoretisclie Aufbau der sozialen Erziehungslehre.
stehende Menschen den Tieren sich näherstehend fühlen
als der Kulturmensch; sie legen nämlich ihr eigenes Fühlen und
Wollen als Mafsstab an deren Neigungen und Handlungen an.
Aus derartigen Daten ist ersichtlich, dafs allerdings in man-
cher Hinsicht eine gewisse Analogie, ein gewisser Parallelis-
mus zwischen individueller und genereller Entwickelung besteht.
Aber es mufs eindringlichst davor gewarnt werden, daraus allzu
kühne Schlüsse zu ziehen. Der Parallelismus reicht ja freilich
sogar noch weiter, als ich angegeben habe; man mufs ja
geradezu sagen, dafs das Individuum thatsächlich den gesamten
Entwickelungsprozefs der Menschheit und noch bedeutend mehr
durchläuft, gemäfs dem berühmten biogenetischen Grundgesetze,
demzufolge jeder Mensch noch einmal alles das werden mufs,
was alle seine Ahnen waren zurück bis zum ersten Aufflackern
des Lebens überhaupt. Aber diese individuelle Repetition der
gesamten Entwickelung des Lebens ist auf eine sehr kurze
Spanne Zeit beschränkt und vollzieht sich durchgängig im
embryonalen Zustande. Wie im Sturme saust die menschliche
Entwickelung in jedem einzelnen Falle in der Zeit vor der Ge-
burt noch einmal die ganze Linie vom Bazillus bis zum Menschen
ab. Die Sache geht sogar teilweise geradezu überrapid, geht so
schnell vor sich, dafs ganze Linien nur schattenhaft auftauchen,
halb im Nebel; dafs manches übersprungen, manches verwischt ist.
Bei der Geburt ist diese ganze Repetition vollständig
abgeschlossen; das normale Neugeborene gleicht durch-
aus den Menschen, die es erzeugten, und zwar nicht
etwa blofs in äufserlich-körperlicher Hinsicht, sondern
auch in geistiger: das Hirn eines normalen europäischen Kin-
des weist naturgemäfs nach dem Gesetze der Vererbung durch-
aus die Struktur des modernen Kulturmenschen auf, nicht etwa
die eines barbarischen Urahnen. Es ist so beschaffen, dafs sein
Besitzer in der Welt, in die er hineingeboren worden ist, sich
orientieren, diese Welt und ihre Einrichtungen begreifen kann,
ohne erst zu diesem Verständnisse sich dadurch hindurcharbeiten
zu müssen, dafs er alle vorangegangenen Entwickelungsstufen
durchläuft. Natürlich begreift das Kind die es umgebende Welt
nicht gleich dem Erwachsenen, sondern auf seine kindliche
Weise; aber es begreift diese Welt, es lebt nicht etwa, wie
manche meinen, geistig in einer anderen, weit zurückliegenden,
während es körperlich in dieser weilt. Ja, die Erfahrung lehrt uns,
dafs das Kind sich förmlich festsaugt an der Wirklichkeit, die es