Boekgegevens
Titel: Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
Auteur: Bergemann, Paul
Uitgave: Gera: Theodor Hofmann, 1900
Auteursrechten: Zie auteursrechten
Citeerinstructie: Bijzondere Collecties van de Universiteit van Amsterdam, UBM: IWO 670 J 10
URL: http://schoolmuseum.uba.uva.nl/bookid/LCSM_200003
Onderwerp: Pedagogiek: sociale pedagogiek
Trefwoord: Sociale pedagogiek, Handboeken (vorm)
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   Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
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§ 35. Die Objekte oder Gegenstände der Erziehung. 305
rufen, wie Pfeil und Bogen und die Armbrust. Eine grofse Zahl
von Kinderspielen sind Zahlenspiele, welche sich auf die ersten
Anfänge des Zählens an Fingern und Zehen zurückführen lassen.
Wieder andere Spiele ahmen Tierrufe und sonstige auffallende
Geräusche der umgebenden Natur nach und führen uns somit
zurück zu den Anfangen der Sprache. Was das Spielen mit
Puppen betrifft, so haben wir darin ein Analogon des alten Bilder-
kultus, der Idolatrie, vor uns. Wie dem Menschen auf den niederen
Stufen der Entwickelung die Vorstellungen höherer Wesen ohne
materielle Unterstützung nicht fafsbar werden, und wie sie da,
um fafsbar zu werden, zu bestimmten körperlichen Gegenständen
in Beziehung gesetzt werden; wie also der Wilde eine sieht- und
greifbare Unterstützung für sein religiöses Gefühl braucht, so be-
darf das Kind einer sinnlich wahrnehmbaren Stütze, an der es
seine Gedanken ordnen und fixieren lernt. Eine solche Stütze
sind dem Kinde Puppen und sonstige nachahmende Gegenstände;
es bringt dieselben mit gerade seinen Geist beschäftigenden Dingen
und Personen in Verbindung und sieht nun dieselben gleichsam
„dramatisch" vor sich. Selbstverständlich ist daher der Nutzen
solcher Spielsachen um so gröfser, je „skizzenhafter" sie gehalten
sind; es gilt, nur die Umrisse anzudeuten, die Ausführung jedoch
der Phantasie des Kindes zu überlassen: denn nicht, was da ist,
sondern was die Phantasie hinzusetzt, das macht die Seligkeit des
Spieles aus, das ist, wie sich Otto Ernst ausdrückt, „der Tanz
der Seele auf weiter Aue". Das Kind will thätig sein; sein
lebendiger Geist will schaffen, schaffen. Sehr treffend bemerkt
in dieser Hinsicht Tylor einmal: „Was ein Kind braucht, ist
nicht ein Bild, sondern das Mittel, deren tausend zu machen."
Der Kindheit der Menschheit, welche eine mythenbildende ist, so-
lange man für objektive Realität hält, was nur subjektives Er-
zeugnis des Geistes ist, solange „symbolische Apperzeptionen" für
objektiv reale angesehen werden, entspricht weiterhin auch das
Gefallenfinden der Kinder an Mythen, Sagen und Märchen.
Desgleichen ist die Auffassung der Natur bei Kindern häufig
eine sehr primitive. Das Kind ist leicht geneigt, die Dinge sei-
ner Umgebung belebt zu denken, weshalb es z. B. dem Tisch, an
dem es sich gestofsen hat, zürnt. Ganz Ähnliches begegnet uns
bei primitiven Völkern; so schlagen noch heute die wilden Ein-
geborenen Brasiliens den Pfeil, der sie verwundet, oder den Stein,
über den sie stolpern. Endhch möchte ich auch darauf noch
aufmerksam machen, dafs Kinder wie auf primitiven Stufen
Bergemann, Soziale Pädagogik. 20