Boekgegevens
Titel: Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
Auteur: Bergemann, Paul
Uitgave: Gera: Theodor Hofmann, 1900
Auteursrechten: Zie auteursrechten
Citeerinstructie: Bijzondere Collecties van de Universiteit van Amsterdam, UBM: IWO 670 J 10
URL: http://schoolmuseum.uba.uva.nl/bookid/LCSM_200003
Onderwerp: Pedagogiek: sociale pedagogiek
Trefwoord: Sociale pedagogiek, Handboeken (vorm)
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   Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
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304 III- Teil. Der theoretisclie Aufbau der sozialen Erziehungslehre.
Ausdrucke vorauseilt. Ohne ererbte Prädispositionen würde das
Kind entweder gar nicht oder doch sehr viel langsamer und später
dahin gelangen, verstehen und sprechen zu lernen. Hinsichtlich
des letzteren ist eben zu sagen, dafs in den Sprachzentren des
Hirns Einrichtungen existieren müssen, welche die Verbindung von
Laut- und Bewegungsvorstellungen erleichtern, eine Annahme,
welche durch die Erfahrung bestätigt wird, dafs bei taubstummen
Kindern der Sprachunterricht erst etwa im sechsten Lebensjahre
begonnen werden kann, weil bei diesen statt der gewohnten Kom-
plikation die andere zwischen Gesichts-, Tast- und Bewegungs-
vorstellungen ausgebildet werden mufs. Aufserdem ist bei der
verhältnismäfsig so schnellen Spracherlernung seitens des Kindes
natürlich auch der Umstand in Betracht zu ziehen, dafs seine
Sprachorgane ebenfalls bereits prädisponiert sind und zwar im
allgemeinen sowohl als auch im besonderen, d. h. zum Sprechen
überhaupt wie namentlich zum Sprechen seiner Muttersprache,
was bereits Jakob Grimm richtig erkannt imd gewürdigt hat.
In seinem Aufsatze „Über den Ursprung der Sprache" hebt er
ausdrücklich die Möglichkeit hervor, dafs die Sprachorgane der
Völker, je nachdem sie mehr oder weniger reich sind an Zisch-
lauten, je nachdem sie harte oder weiche Gutturale besitzen, sich
anatomisch verschieden verhalten mögen, und fährt dann wörtlich
fort: „Ich würde geneigt sein, schon in den Kinderkehlen ein-
zelner Völker eingeprägte Anlagen für die Aussprache eigener
Lautbestimmungen vorhanden zu glauben, so dafs einem in Deutsch-
land zur Welt gekommenen Russen- oder Franzosen-Kinde immer
noch einige unserer Laute schwer fallen würden". Ich bin durch-
aus dieser Ansicht, und, gestützt auf ein ziemlich umfangreiches Be-
obachtungsmaterial, bin ich in der Lage, ganz bestimmt sagen zu
können, dafs dem wirklich so ist. Meine Beobachtungen beziehen
sich vornehmlich auf Amerikaner: dieselben erlernen das Deutsche
leichter, schneller und besser und sprechen es mit geringerem
fremdländischen Accent, wenn sie von Deutschen abstammen, als
wenn ihre Vorfahren Engländer waren. Und zwar kann ich auch
noch diese genauere Bestimmung auf Grund meiner Beobachtungen
und Nachforschungen hinzufügen, dafs dieselben um so rascher
und um so reiner Deutsch sprechen lernen, je weniger weit ihr
deutscher Ursprung zurückliegt.
Wenden wir uns zur Betrachtung der Kinderspiele, so
finden wir bekanntlich viele Spiele vor, welche uns die primitiven
Waffen und Gerätschaften früherer Zeiten ins Gedächtnis zurück-