Boekgegevens
Titel: Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
Auteur: Bergemann, Paul
Uitgave: Gera: Theodor Hofmann, 1900
Auteursrechten: Zie auteursrechten
Citeerinstructie: Bijzondere Collecties van de Universiteit van Amsterdam, UBM: IWO 670 J 10
URL: http://schoolmuseum.uba.uva.nl/bookid/LCSM_200003
Onderwerp: Pedagogiek: sociale pedagogiek
Trefwoord: Sociale pedagogiek, Handboeken (vorm)
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   Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
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§ 35. Die Objekte oder Gegenstände der Erziehung. 303
§ 36.
Ich habe bisher die Entwickelung des Zöglings nur in
grofsen allgemeinen Zügen zu skizzieren versucht. Jetzt ist es
raeine Aufgabe, diese Skizze noch etwas weiter auszuführen. Wenn
ich dabei zunächst die geistige Entwickelung des Kindes in ver-
gleichende Beziehung zu der geistigen Entwickelung des Menschen
überhaupt setze, so werden wir die Wahrnehmung machen, dafs
wir in der Kindheit nicht etwas durchaus Neues, noch nie Da-
gewesenes vor uns haben, sondern dafs wir, in gewisser Hin-
sicht wenigstens, wieder die Kindheit der Menschheit vor unseren
Blicken erstehen sehen. In der That kann man von einer ge-
wissen Repetition des psychischen wie des physischen Stamm-
baumes sprechen, wie eine solche von Harvey und Autenrieth
bis auf Haeckel immer wieder behauptet worden ist. Aber
eben nur, was ich nochmals kräftigst betonen möchte, in gewisser
Hinsicht: ich werde zeigen in welcher.
Betrachten wir die Entwickelung der Sprache des Kindes,
so kann uns nicht entgehen, dafs sich eine Parallele ziehen läfst
zwischen der individuellen und der generellen Entwickelung. Wie
die Menschheit überhaupt so beginnt auch jedes Kind von neuem
mit der Geberden- und Zeichensprache, der es durch unartikulierte
Interjektionen noch besonderen Nachdruck zu verleihen bemüht
ist. Nur ganz allmählich lernt das Kind, die Muskeln des Stimm-
apparates statt derjenigen des gesamten Körpers in Bewegung zu
setzen, wenn es sich eines durch die Dinge der Aufsen weit be-
dingten Gemütszustandes entäufsern will: an die Geberdensprache
schliefst sich nunmehr die Wurzelsprache an, wobei das Kind
zunächst einsilbige Laute einfachster Art hervorbringt wie ba, ma,
pu u. a. m., welche sich dann später zu Reduplikationsformen
wie baba, mama u. dgl. m. verbinden, manchmal in mehrfacher
Wiederholung aufeinander folgen. Aber erst die das Kind um-
gebenden Erwachsenen, Ammen und Mütter, sich der Lautfähig-
keit des Kindes und seiner Vorliebe für Laut - Wiederholungen
akkommodierend, verleihen diesen Lauten ihre Bedeutung und
damit den Charakter von eigentlichen Sprachlauten, sodafs man
geradezu sagen kann und mufs: nicht die Kinder erfinden
die Kindersprache, sondern die Ammen und Mütter. Ver-
hältnismäfsig rasch schreitet das Kind, wenn es erst einmal soweit
gekommen ist, dann weiter fort zur Sprache der Erwachsenen,
wobei wir die Beobachtung machen können, dafs das Verständnis
der Sprache in manchen Fällen dem selbständigen sprachlichen