Boekgegevens
Titel: Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
Auteur: Bergemann, Paul
Uitgave: Gera: Theodor Hofmann, 1900
Auteursrechten: Zie auteursrechten
Citeerinstructie: Bijzondere Collecties van de Universiteit van Amsterdam, UBM: IWO 670 J 10
URL: http://schoolmuseum.uba.uva.nl/bookid/LCSM_200003
Onderwerp: Pedagogiek: sociale pedagogiek
Trefwoord: Sociale pedagogiek, Handboeken (vorm)
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   Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
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§ 35. Die Objekte oder Gegenstände der Erziehung. 301
Vorstellung des eigenen Leibes der einzige wirklich
geistige Besitz des Neugeborenen ist; denn bei den An-
lagen handelt es sich ja um Unbewulstes, und die Handlungen,
welche das Neugeborene ausführt, beruhen ja auf vorgezeichneten
Leitungsmechanismen, welche reflektorisch in Aktion treten und
zwar erst in Folge eines weiteren, neu auftretenden geistigen In-
halts, z. B. von, durch gewisse vom Magen nach dem Hirn tele-
graphierte Empfindungsreize ausgelösten Hunger- und Durst-
Gefühlen oder von Schmerzgefühlen, welche durch Verletzungen
der Körperoberfläche hervorgerufen werden u. dgl. m. Kann also
von einem aktiven Thätigsein des Kindes im Anfange blofs
insofern die Rede sein, als Empfindungsreize Gefühle auszulösen
imstande sind, so sind als erste Etappe auf dem Wege der Ent-
wickelung des kindlichen Willens die Bestrebungen zu bezeichnen,
welche den Zweck haben, den Kopf und den Körper in gerader
Haltung zu „balancieren", die im vierten Monat anzufangen
pflegen. Hierzu kommen dann bald Greifbewegungen hinzu,
und endlich schliefst sich das Bemühen zu stehen und zu
gehen daran an. In dieser Richtung bewegt sich erfahrungs-
mäfsig die Entwickelung des Willens bei allen Kindern, was sich
wiederum durch die Annahme vererbter Mechanismen erklärt.
Die Quelle, aus welcher der Geist des Neugeborenen seine erste
bedeutsame Nahrung schöpft, sind vornehmlich die ihm durch den
Tast- und den Gesichtssinn vermittelten Sinnesempfindungen.
Jede periphere Empfindung, wenn ich mich dieses etwas gewagten
Ausdruckes bedienen darf, dauert bekanntlich länger als die er-
regende Ursache, als der sie hervorrufende Reiz; dieses Reiz-Nachbild,
dieses Bleibende wird auf vorgeschriebenen Leitungsbahnen der
Grofshirnrinde übermittelt, und hier bildet sich allmählich in Ge-
meinschaft mit nachfolgenden Empfindungen des nämlichen Gegen-
standes durch unbewufste synthetische Verbindung der-
selben die Anschauung und schliefslich durch Assimilation
dieser Anschauung an den bereits vorhandenen Bewufstseinsinhalt
die Vorstellung als etwas Dauerndes, Bestand Habendes. Indem
auf diese Weise eine ganze Fülle von Vorstellungen erworben
wird, und indem sich allmählich diese Vorstellungen immer
schärfer voneinander sondern, kommt es nach und nach zur Bil-
dung von Begriffen und Ideen.
Unter diesen ist von besonderem Interesse der Gedanke des
eigenen Ich und die Art, wie derselbe zustande kommt, weshalb
ich darauf hier noch etwas näher eingehen möchte. Ich habe schon