Boekgegevens
Titel: Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
Auteur: Bergemann, Paul
Uitgave: Gera: Theodor Hofmann, 1900
Auteursrechten: Zie auteursrechten
Citeerinstructie: Bijzondere Collecties van de Universiteit van Amsterdam, UBM: IWO 670 J 10
URL: http://schoolmuseum.uba.uva.nl/bookid/LCSM_200003
Onderwerp: Pedagogiek: sociale pedagogiek
Trefwoord: Sociale pedagogiek, Handboeken (vorm)
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   Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
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300 III- Teil. Der theoretisclie Aufbau der sozialen Erziehungslehre.
physiologischer und psychologischer Beziehung stehen, ganz
ähnlich wie bei den Instinkthandlungen der Tiere. Bei ihrem
ersten Auftreten sind diese Reaktionen allerdings von (bewufsten)
Vorstellungen begleitet gewesen; aber im Laufe der Entwickelung
der Generationen sind dieselben mehr und mehr verdichtet wor-
den, so dafs endlich nur noch die vorgezeichnete Leitungsbahn
übriggeblieben ist. Mit den Instinkthandlungen der Tiere stimmen
die charakterologischen Anlagen ferner auch noch darin überein,
dafs sie weit zäher als die intellektuellen Eigenschaften, welche
von Generation zu Generation durch Arbeitsteilung sich vervoll-
kommnen, überliefert werden. Daher der langsame Fortschritt
auf moralischem Gebiete, der moralische Konservatismus
und Konventionalismus. Die Anlagen für künstlerisches und
dichterisches Schaffen, für wissenschaftliches, etwa für mathemati-
sches und philosophisches Denken werden als gesteigerte Hirn-
funktionen zur Verarbeitung bestimmter Vorstellungsreihen über-
tragen. Es wird dabei ver- und ererbt eine gewisse molekulare
Beschaffenheit, in Folge deren durch gewisse Reize mit gröfserer
Leichtigkeit spezifische Bewegungen ausgelöst werden. Körper-
liche, auf Haltung, manuelle und sonstige körperliche Ge-
schicklichkeit sich beziehende Anlagen werden ebenfalls als
Prädispositionen übertragen, mit anderen Worten: die zur Aus-
führung solcher Geschicklichkeiten erforderlichen Kombinationen
sensibler und motorischer Leitungsbahnen sind einander „näher
gerückt"; daher bedarf es zur Verbindung derselben geringerer
Übung. Ohne Übung geht es jedoch keinesfalls dabei ab; die-
selbe mufs in der Jugend eintreten: d. h. es werden die betreffen-
den Thätigkeiten als von bewufsten Bewegungsvorstellungen be-
gleitete erlernt, freilich eben infolge der ererbten Dispositionen
ziemlich leicht und rasch. Im Laufe des Lebens sinken sie dann
allmählich zu unbewufsten Funktionen herab.
Aus diesen allgemeinen und besonderen Anlagen besteht der
Inhalt des Geistes des Neugeborenen im wesentlichen. Jedoch
kommen noch gewisse Erfahrungen hinzu, welche das Kind bereits
im Mutterleibe gemacht hat. Vor der Geburt sind nämlich schon
der Tastsinn und der Geschmackssinn thätig, welche beide,
im Verein mit von den inneren Organen ausgehenden Em-
pfindungsreizen, aufweiche zuerst hingewiesen zu haben Cabanis'
Verdienst ist, eine dunkle Vorstellung von dem eigenen Körper
vermitteln, und diese macht den ältesten Kern des Bewufstseins
aus. So mufs genau genommen gesagt werden, dafs diese dunkle