Boekgegevens
Titel: Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
Auteur: Bergemann, Paul
Uitgave: Gera: Theodor Hofmann, 1900
Auteursrechten: Zie auteursrechten
Citeerinstructie: Bijzondere Collecties van de Universiteit van Amsterdam, UBM: IWO 670 J 10
URL: http://schoolmuseum.uba.uva.nl/bookid/LCSM_200003
Onderwerp: Pedagogiek: sociale pedagogiek
Trefwoord: Sociale pedagogiek, Handboeken (vorm)
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   Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
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298 III- Teil. Der theoretisclie Aufbau der sozialen Erziehungslehre.
sation eine verschiedene ist; aber das kommt nie vor, dafs in
der Tierwelt eine „Versetzung" der Sinne stattfindet, derart, dafs
Tiere das Licht mit Organen, die unseren Geschmacks- oder unseren
Geruchsnerven entsprechen, wahrnehmen. Eine solche „Unzweck-
mäfsigkeit" der Natur ist, soweit unsere Kenntnis reicht, gänzlich
ausgeschlossen, auch liefse sich dafür weder irgendein triftiger
Grund noch eine zureichende Erklärung finden. Vielmehr ist
die Entwickelung immer, sofern sie nicht unterbrochen wurde,
stetig in demselben Sinne weitergegangen, und auf dem Wege
langsamer Anpassung der Nervensubstanz an bestimmte Reize
und durch Steigerung der so erlangten Dispositionen zu be-
stimmten Formen der Molekularbewegung haben sich die spezi-
fischen Energien der Sinnesnerven nach und nach herausgebildet.
Bei den niedersten Tieren entsprechen den Objekten der
Aufsenwelt Einzelempfindungen; erst auf einer höheren Stufe
werden die gleichzeitig auftretenden Empfindungen mit Hilfe zu-
nehmender Differenzierung geordnet und zu einem Bilde ver-
schmolzen. Ganz ähnlich perzipiert auch das Kind aus dem Chaos
seiner Umgebung zuerst wenige Einzelempfindungen; dieselben
kehren dann immer wieder, befestigen sich, verschmelzen mit anderen
Empfindungen, welche durch von denselben Gegenständen aus-
gehende Reize ausgelöst werden, und werden schliefslich zum
Bilde des Einzelobjektes zusammengefafst. Das Hirn des Neu-
geborenen besteht nämlich aus noch unverbundenen Ganglien-
gruppen; erst nach einiger Zeit strahlen die zentralen Nerven-
enden in Büscheln fächerförmig in die Hirnwindungen ein, und
Scharen von tangentialen Fasern stellen jetzt die Verbindung
zwischen den Ganglienzellen her. So bildet das Hirn erst mehrere
Wochen nach der Geburt ein zusammenhängendes Organ, die Be-
wufstseinsneurone. Unserem Geiste eignet also auf Grund einer
besonderen anatomisch-physiologischen Veranlagung eine gewisse
Tendenz zu synthetischer Bethätigung, sofern er es
sich angelegen sein läfst, Einheit in die Mannigfaltigkeit der
Empfindungen hineinzubringen, aus einzelnen Ton-Empfindungen
Klänge, aus einzelnen Gesichts - Empfindungen das zusammen-
hängende Bild des Gegenstandes, aus einzelnen Tast-Empfindungen
das Kontinuum des Körpers erstehen zu lassen. Diese syn-
thetische Sinnes - Thätigkeit wird von Helmholtz und von
Wundt als ein „Schliefsen" bezeichnet, „sofern auf gewisse Reize
hin diejenigen durch Gewohnheit erworbenen und durch Ver-
erbung befestigten Mechanismen in Thätigkeit treten, durch welche