Boekgegevens
Titel: Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
Auteur: Bergemann, Paul
Uitgave: Gera: Theodor Hofmann, 1900
Auteursrechten: Zie auteursrechten
Citeerinstructie: Bijzondere Collecties van de Universiteit van Amsterdam, UBM: IWO 670 J 10
URL: http://schoolmuseum.uba.uva.nl/bookid/LCSM_200003
Onderwerp: Pedagogiek: sociale pedagogiek
Trefwoord: Sociale pedagogiek, Handboeken (vorm)
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   Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
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§ 35. Die Objekte oder Gegenstände der Erziehung. 297
in allgemeinen Zügen von der Geburt an versuche, so wird uns
die im ersten Teile erörterte Thatsache der Vererbung als Schlüssel
zum Verständnisse dienen, um zu begreifen, dafs ebensowenig von
einer leeren Tafel dabei die Rede sein kann wie von angeborenen
Begriffen und Ideen; sondern dafs es sich lediglich um allmäh-
lich erworbene und gesteigerte und durch Vererbung be-
festigte Funktionen handelt, die wir als Anlagen oder Prä-
dispositionen bezeichnen, weil sie ja nicht von vornherein in
ihrem vollen Umfange in die Erscheinung treten, sondern erst
allmählich zur Entfaltung gelangen. Wir haben dabei die allen
Menschen gemeinsamen und die besonderen Anlagen, welche wieder
in Rassen-, Volks-, Familien- und individuelle Anlagen zerfallen,
zu unterscheiden.
Als allen Menschen gemeinsame Anlagen sind
gewisse typische Denkformen, welche mit den apriorischen
Denk- und Anschauungsformen Kants, zwar nicht der Zahl
aber der Bedeutung nach, sich decken, und die spezifischen
Sinnesenergien zu bezeichnen. Zu jenen gehören die An-
schauungen des Raumes und der Zeit, des Dinges und der Ursache
u. a. m. Dabei handelt es sich aber nicht etwa um angeborene
Ideen und Begriffe, sondern nur um gewisse „anschauliche For-
men", in die die Eindrücke, welche die Dinge der Aufsen weit auf
den Geist ausüben, sozusagen „hineingegossen" werden. Dafs die
Anschauungen des Raumes, der Zeit u. s. f., dafs ferner die spezi-
fischen Sinnesenergien sich gerade so, wie wir dies kennen, nicht
anders entwickelt haben, darin müssen wir freilich ein unserer
Organisation immanentes Gesetz erblicken, darin liegt also gleich-
sam das „Transzendentale" unserer Organisation. Jedoch ist
anderseits das ganz sicher, dafs die Funktionen unserer Sinne
und die allen Menschen gemeinsamen Denk- und Anschauungs-
formen sich erst entwickelt haben und „grofs" geworden sind
an den Dingen der Aufsenwelt: im Verkehr mit der Natur wur-
den sie entwickelt und gesteigert und alsdann durch Ver-
erbung befestigt. Und ebenso ist es ganz unzweifelhaft,
dafs jeder einzelne Mensch die Raum-, die Zeit-, die Ding-
Vorstellung erst gewinnen kann mit Hilfe der Erfahrung,
obschon anderseits zugegeben werden mufs, dafs alle Erfahrung
nichts nützen würde, wenn nicht die entsprechenden Prädisposi-
tionen vorhanden wären. Was unsere Sinne und ihre spezifischen
Energien betrifft, so steht es zwar durchaus fest, dafs die Auf-
fassung der Welt je nach dem besonderen Zustande der Organi-