Boekgegevens
Titel: Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
Auteur: Bergemann, Paul
Uitgave: Gera: Theodor Hofmann, 1900
Auteursrechten: Zie auteursrechten
Citeerinstructie: Bijzondere Collecties van de Universiteit van Amsterdam, UBM: IWO 670 J 10
URL: http://schoolmuseum.uba.uva.nl/bookid/LCSM_200003
Onderwerp: Pedagogiek: sociale pedagogiek
Trefwoord: Sociale pedagogiek, Handboeken (vorm)
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   Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
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§ 35. Die Objekte oder Gegenstände der Erziehung. 295
dieses Standes, ein ehemaliger Professor der Philosophie an der
Berliner Univei'sität, persiflierte sich selbst und seine Kollegen ein-
mal sehr nett dahin, dafs er sagte: „Wissen Sie, was für ein
Mensch ein Professor ist? Ein Mensch, der immer anderer
Meinung ist!»
Auch auf dem Gebiete der künstlerischen Beanlagung
hat das Weib grolse Ähnlichkeit mit dem Kinde. Wie diesem
eignet ihm eine grofse Begabung für die Schauspielkunst,
was ohne Zweifel mit der beide auszeichnenden grofsen geistigen
Beweglichkeit, Schmiegsamkeit und Empfänglichkeit zusammen-
hängt. Wie das Kind fabuliert und sinniert es auch gern.
Man erinnere sich dessen, was Goethe von dem von seinen
Eltern empfangenen geistigen Erbe sagt:
„Vom Vater hab' ich die Statur,
Des Lebens ernstes Führen —
Vom Mütterchen die Frohnatur,
Die Lust zum Fabulieren".
Endlich hat das Weib auch in moralischer Beziehung
viele Züge mit dem Kinde gemein. Ich will hier nur auf einen
hinweisen. Frauen sind im grofsen und ganzen nicht sehr leicht
imstande, die Erhabenheit der abstrakten Wahrheit zu begreifen;
aber sie haben ein aufserordentlich lebhaftes Gefühl für den
Heroismus der Selbstaufopferung. Der Grund dafür scheint in
den organischen Thatsachen des weiblichen Lebens zu liegen.
Ganz das Nämliche beobachtet man auch bei Kindern. Der be-
kannte amerikanische Gelehrte Professor Stanley Hall bemerkt
in einem Aufsatze im „American Journal of Psychology» vom
Januar 1890, der die Überschrift „Ch ildren 's Lies" führt,
gelegentlich einer Reihe äufserst sorgfältiger und höchst inter-
essanter Untersuchungen an Kindern, dafs das normale Kind den
Heroismus der Selbstaufopferung viel früher empfindet, als es die
Erhabenheit der Wahrheit zu begreifen vermag.
Aus alledem geht unzweifelhaft klar hervor, was ich mir
vorgenommen hatte, nachzuweisen, dafs thatsächlich die Frauen
dem kindlichen Typus nahe, jedenfalls näher stehen als Männer;
dafs sie gewissermafsen in mancher Hinsicht eine Mittelstellung
zwischen Kind und Mann einnehmen. Und eben deshalb sind
sie zur unmittelbaren Erziehung der Kinder in hohem Grade,
sicherlich mehr geeignet als Männer. Denn diese ihre Ver-
anlagung setzt sie in den Stand, sich leichter in das
Leben des Kindes hineinzuversetzen, es besser zu ver-