Boekgegevens
Titel: Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
Auteur: Bergemann, Paul
Uitgave: Gera: Theodor Hofmann, 1900
Auteursrechten: Zie auteursrechten
Citeerinstructie: Bijzondere Collecties van de Universiteit van Amsterdam, UBM: IWO 670 J 10
URL: http://schoolmuseum.uba.uva.nl/bookid/LCSM_200003
Onderwerp: Pedagogiek: sociale pedagogiek
Trefwoord: Sociale pedagogiek, Handboeken (vorm)
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   Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
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§ 35. Die Objekte oder Gegenstände der Erziehung. 293
(und anatomischen) Thatsachen sind aber folgende psychische
Erscheinungen, in denen das Weib sich als dem Kinde nahe-
stehend offenbart. Ich nenne hier vor allen Dingen die grofse
Affektibilität oder Emotivität, welche das Weib mit dem
Kinde gemein hat. So sind z. B. Schreck und Furcht Affekte,
die sehr stark bei Frauen und Kindern, viel schwächer bei
Männern auftreten. Die Morbitäts-Statistik zeigt deutlich,
dafs Schreck und Furcht häufig Nervenkrankheiten bei Frauen
und Kindern, selten bei Männern bedingen. Ich erinnere nur an
die Chorea, den Veitstanz; an demselben erkranken Kinder beiderlei
Geschlechts unter 16 Jahren und Frauen sehr häufig, während
er bei Knaben nach dem 16. Lebensjahre sehr selten, bei Männern
nach dem 20. Lebensjahre kaum noch vorkommt. — Auf der
grofsen Emotivität des Weibes und des Kindes beruht auch die
bei beiden leicht beobachtbare Anpassungs-Fähigkeit an neue
Gewohnheiten und Umgebungen. Dementsprechend ist z. B. die
Frau eines self-made-man meist besser als ihr Gatte imstande, sich
den Sitten und Gebräuchen eines feineren und vornehmeren Milieus
anzupassen. Ferner ist die grofse Affektibilität der Frauen und
der Kinder auch die Ursache ihrer hingehenderen Liebe, ihres
tieferen Mitleids, ihrer erhöhteren Zärtlichkeit — kurz,
um mit den Dichtern zu reden, die Quelle der kindlichen und der
weiblichen „Engelhaftigkeif. Anderseits hat aber in dieser näm-
lichen starken Emotivität die raffiniertere Grausamkeit der
Frauen und der Kinder ihren Grund. Wie zu Liebe, Mitleid,
Zärtlichkeit treibt sie diese ihre Naturanlage zu Ausbrüchen des
Zornes, der Grausamkeit, des Hasses, wie sie kaum bei Männern
vorkommen. Man denke auf der einen Seite an die Tierquälereien,
die Balgereien und Raufereien und die boshaften Streiche von
Kindern, und auf der anderen Seite erinnere man sich daran, dafs
in Zeiten heftiger Erregung der Volksmassen die Männer stets an
Grausamkeit und Hafs von den Frauen überboten werden. Darauf
haben bereits Diderot und Despine hingewiesen; Zola schildert
es meisterhaft in seinem berühmten sozialen Roman „Germinal",
und endlich mache ich noch auf die berüchtigten Strickerinnen
Robespierres aufmerksam. Kurz: die Behauptung, dals in dem
Busen jeden Weibes eine Petroleuse schlummere, ist keineswegs
unbegründet. Und von bedeutend heftigeren Zornes- und Wut-
Ausbrüchen bei Frauen als bei Männern wissen die Irren-Arzte
und die Gefängnisbeamten ein Lied zu singen. — Auf der gröfseren
Emotivität der Frauen und der Kinder beruht schliefslich auch