Boekgegevens
Titel: Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
Auteur: Bergemann, Paul
Uitgave: Gera: Theodor Hofmann, 1900
Auteursrechten: Zie auteursrechten
Citeerinstructie: Bijzondere Collecties van de Universiteit van Amsterdam, UBM: IWO 670 J 10
URL: http://schoolmuseum.uba.uva.nl/bookid/LCSM_200003
Onderwerp: Pedagogiek: sociale pedagogiek
Trefwoord: Sociale pedagogiek, Handboeken (vorm)
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   Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
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§ 32. Die Subjekte oder Träger der Erziehung. 291
Erziehung der Kinder der Mutter zufällt. Ferner ist überhaupt
ganz allgemeinhin zu sagen, dafs die Frauen für die unmittelbare
gelegentliche Erziehung im grofsen und ganzen besser geeignet
sind als die Männer. Die Frauen, kann man geradezu
sagen, sind die geborenen Erzieherinnen. Es soll das
weder eine Schmeichelei für die Frauen noch ein an die Adresse
der Männer gerichtetes Mifstrauensvotum sein; sondern ich kon-
statiere damit einfach eine biologische Thatsache.
Ehe ich jedoch, was mir durchaus erforderlich zu sein scheint,
darauf näher eingehe, möchte ich zunächst jenen obigen Gedanken
noch etwas weiter verfolgen. Ich sagte, dafs den jungen Mädchen, den
werdenden Frauen und Müttern Gelegenheit gegeben werden solle,
sich praktisch-pädagogisch zu bethätigen. Ich meine, diese
praktische Bethätigung müfste ebenfalls obligatorisch gemacht
■werden. Wie die jungen Männer allesamt heutzutage militär-
pflichtig sind und für einige Zeit im Heere dienen müssen, so
würde es sich empfehlen, eine praktisch-pädagogische all-
gemeine Dienstpflicht für die jungen Mädchen einzuführen:
Staat und Gesellschaft würden daraus nicht geringeren Vorteil
ziehen als aus der militärischen Dienstpflicht der jungen Männer.
Die Ursache nun, welche die gröfsere Geeignetheit des
Weibes für die unmittelbare Erziehungsarbeit hat, läfst
sich ganz kurz so angeben: das Weib steht dem infantilen,
dem kindlichen Typus näher als der Mann, was wahrschein-
lich seinen Grund darin hat, seine letzte Erklärung darin findet,
dafs das Weib als Mutter soviel inniger mit dem Leben
des Kindes verbunden ist als der Mann. Was im einzelnen
den Nachweis dafür betrifft, dafs das Weib dem infantilen Typus
besonders nahe steht, so kommen eine Reihe von Beobachtungs-
Thatsachen anatomischer, physiologischer und psychologischer Art
in Betracht, welche alle ich hier jedoch nicht näher zu erörtern
brauche. Bezüglich der anatomischen bemerke ich nur in aller
Kürze, dafs es sich dabei vornehmlich um Besonderheiten der
Schädelbildung handelt, in denen Frauen und Kinder nach den
Untersuchungen verschiedener hervorragender Anthropologen, wie
des Franzosen Broca, des Italieners Mantegazza, des Eng-
länders Turner und "unseres Schaafhausen, bald mehr bald
weniger auffallende Übereinstimmung zeigen. In physiologischer
Hinsicht ergiebt sich eine grofse Ähnlichkeit zwischen Kindern
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