Boekgegevens
Titel: Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
Auteur: Bergemann, Paul
Uitgave: Gera: Theodor Hofmann, 1900
Auteursrechten: Zie auteursrechten
Citeerinstructie: Bijzondere Collecties van de Universiteit van Amsterdam, UBM: IWO 670 J 10
URL: http://schoolmuseum.uba.uva.nl/bookid/LCSM_200003
Onderwerp: Pedagogiek: sociale pedagogiek
Trefwoord: Sociale pedagogiek, Handboeken (vorm)
Bekijk als:      
Scan: Afbeeldinggrootte:
   Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
Vorige scan Volgende scanScanned page
12 I- Teil. Die pädagogischen GrundbegriflFe.
der Erfahrung noch auf einige besonders wichtige Fälle hinweisen,
in denen Vererbung ganz unzweifelhaft eintreten kann. So be-
obachten wir, dafs Krankheiten von Mutter oder Vater auf den
Sohn oder die Tochter, von diesen wieder auf ihre Kinder über-
gehen u. s. f. Wir nehmen gar nicht selten auch wahr, dals
Krankheiten in d e r Weise sich vererben, dass sie eine Generation
oder sogar einige Generationen hindurch latent bleiben, dann aber
plötzlich, vielleicht in der dritten oder vierten, wieder zum Aus-
bruch kommen. Besonders häufig tritt das ein bei Psychosen,
bei Hirnerkrankungen. Aber wie in Fällen von Geistesstörungen
so macht sich die Rückschlagsvererbung, der Atavismus auch
bei anderen Krankheiten nicht selten geltend. So ist es eine
alte Erfahrung, dafs Gicht und Rheumatismus vom Grofsvater
auf den Enkel mit Uberspringung von dessen Vater übergehen.
Ferner ist zu bemerken, dass der Atavismus überhaupt nicht nur
bei Krankheiten vorkommt, sondern desgleichen bei der Ver-
erbung sonstiger Anlagen und Eigentümlichkeiten körperlicher
wie geistiger Natur, wofür Ribot im ersten Teile seines genannten
Buches und aufserdem im zweiten Kapitel des zweiten Teils, wo
er die Rückschlagsvererbung besonders bespricht, zahlreiche Bei-
spiele anführt. — Wie Krankheiten so sehen wir auch Talente
von den Eltern auf die Kinder sich vererben. Man hat statistisch
festgestellt, dafs wir 25 "/o unserer Maler und Dichter vornehm-
lich der Vererbung verdanken. Auch gelehrte oder kriegerische
oder politische Anlagen sehen wir oft genug mehrere aufein-
ander folgende Generationen hindurch sich vererben. Wir be-
obachten dergleichen in den Familien Bernouilli, Cassini, Mozart
und Beethoven, Van der Velde und Teniers, Guise und Pitt,
Herschel, de Candolle, Euler und Darwin u. a. m. Leider ist
jedoch der Prozentsatz bei der Vererbung von Krankheiten, be-
sonders von Geisteskrankheiten weit gröfser. Und zudem handelt
es sich dabei um eine viel intensivere Vererbung. Der Irrsinn,
sagt Lombroso, geht meist mit seiner ganzen Kraft von einer
Generation auf die andere über und scheint oft sogar bei den
Kindern noch stärker aufzutreten als bei den Eltern. Das nehmen
wir bei der Talentvererbung nicht wahr, eher das Gegenteil, d. h.
also, dals das ererbte Talent schwächer ist als dasjenige, von
welchem es herstammt. Namentlich gilt das bezüglich des
Talentes, welches wir als Genie bezeichnen. Von der phänomenalen
Begabung vererbt sich nur ein geringer Bruchteil, eine schwache
Tendenz. Oder es tritt auch häufig von einem genialen Menschen