Boekgegevens
Titel: Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
Auteur: Bergemann, Paul
Uitgave: Gera: Theodor Hofmann, 1900
Auteursrechten: Zie auteursrechten
Citeerinstructie: Bijzondere Collecties van de Universiteit van Amsterdam, UBM: IWO 670 J 10
URL: http://schoolmuseum.uba.uva.nl/bookid/LCSM_200003
Onderwerp: Pedagogiek: sociale pedagogiek
Trefwoord: Sociale pedagogiek, Handboeken (vorm)
Bekijk als:      
Scan: Afbeeldinggrootte:
   Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
Vorige scan Volgende scanScanned page
§ 32. Die Subjekte oder Träger der Erziehung. 289
handenen und von Taube*) beschriebenen Ziehkinderamte ver-
gleichbar.
Brauchen wir bei derartigen Einrichtungen und Vorsichts-
mafsregeln hinsichtlich der Thätigkeitserfolge der unmittelbaren
gelegentUchen Erzieher nicht allzu besorgt zu sein, so liegt auch
kein Grund zu übertriebenen Befürchtungen im Hinblick auf die
von den mittelbaren gelegentlichen Erziehern ausgehenden er-
ziehlichen Einflüsse vor. Allerdings liegt hier die Sache ein
wenig anders. Das, worauf deren Einwirkung auf die heran-
wachsende Generation fast ausschliefslich beruht, ist das allgemeine
Beispiel, das die Menschen geben in ihrem ganzen Thun und
Lassen. Somit kommt es vornehmlich darauf an, bei den Leuten
der Einsicht zum Durchbruche zu verhelfen, dafs das Vorbild von
gröfster Bedeutung im Leben und dafs es ihre Pflicht ist, stets
darauf zu achten, dafs sie ein gutes, ein nachahmenswertes Bei-
spiel geben. Man mufs also versuchen, die Menschen dahin zu
bringen, dafs sie alle sich als Erzieher fühlen; dafs sie sich
dessen bewufst werden, dafs sie fort und fort und überall Er-
zieher sind, und dementsprechend sich benehmen, eingedenk der
alten guten Regel, welche Juvenal in der vierzehnten seiner be-
rühmten Satiren aufstellt: „Maxima debetur puero reverentia".
Sollte es wirklich gar so schwer sein, diese Einsicht allgemein
zu verbreiten! Sicherlich werden nicht alle Menschen für sie zu
gewinnen sein, aber ich hoffe, dafs dies doch schliefslich bei der
Majorität erreichbar ist. Vollkommenheit ist ja ein Zustand, den
wir wohl niemals auf unserer Erde haben werden; wir müssen uns
wohl immer nur mit der Annäherung an sie begnügen. Diese
Annäherung aber müssen wir herbeizuführen versuchen, mit allen
uns zu Gebote stehenden Mitteln, wenn es uns wirklich ernstlich
darum zu thun ist; wenn wir uns nicht überhaupt blofs darin ge-
fallen, schöne Ideale aufzustellen und grofse Worte zu machen.
Um nun jene Einsicht allgemein zu verbreiten, und um über-
haupt der Forderung gerecht zu werden, die Menschen zu Er-
ziehern heranzubilden, stehen zwei Mittel zur Verfügung: be-
sondere Mafsnahmen und die Presse. Was das letztere zu-
nächst betrifft, so müfste die Presse (natürlich meine ich nicht
die pädagogische Fach-, sondern die allgemeine Presse) weit mehr.
*) Man vergleiche: Taube, ,Der Schutz der unehelichen Kinder in
Leipzig.' Ferner: Bergemann, ,Die Fürsorge für hilfsbedürftige, im be-
sonderen für die unehelichen Kinder' in der „Frauenbewegung' IV. Jahrg.
No. 17—19.
Bergemann, Soziale Pädagogik. 19