Boekgegevens
Titel: Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
Auteur: Bergemann, Paul
Uitgave: Gera: Theodor Hofmann, 1900
Auteursrechten: Zie auteursrechten
Citeerinstructie: Bijzondere Collecties van de Universiteit van Amsterdam, UBM: IWO 670 J 10
URL: http://schoolmuseum.uba.uva.nl/bookid/LCSM_200003
Onderwerp: Pedagogiek: sociale pedagogiek
Trefwoord: Sociale pedagogiek, Handboeken (vorm)
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   Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
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288 III- Teil. Der theoretisclie Aufbau der sozialen Erziehungslehre.
den sie nicht Besitzenden auch durch die vortrefflichsten Mafs-
nahmen nicht mitgeteilt werden. Aber ist es denn wirklich so,
dafs dieselbe den meisten Menschen, wie manche Pessimisten
meinen, gänzlich abgeht; dafs nur wenige sich ihrer erfreuen?
Ich bin dieser Ansicht nicht; vielmehr glaube ich, dafs es bisher
zumeist eben nur an der Weckung und Ausbildung dieser Anlagen
gemangelt hat. Allerdings ist auch das zu bedenken, dafs diese
Anlagen nicht überall gleich grofs, dafs sie in verschiedener
Qualität und Intensität vorkommen. Nehmen wir jedoch die
berufsmäfsigen Erzieher. Niemand wird sich in dem Wahne be-
finden, dafs wir eine auch nur einigermafsen genügende Anzahl
solcher zusammenbringen würden, wenn wir dabei nur Anlagen von
allererster Güte, von vorzüglichster Qualität und grölster Intensität
berücksichtigen wollten: die Zahl der wahrhaft genialen Erzieher,
der grofsen Erziehungskünstler ist immer nur eine geringe; wir
müssen uns in den weitaus häufigsten Fällen mit Virtuosen be-
gnügen. Bei der Virtuosität spielt freilich auch die natürliche
Beanlagung keine untergeordnete Rolle; aber zumeist beruht die-
selbe doch auf Studium und Übung. Müssen wir also in der
berufsmäfsigen Erziehung gröfsten Teils mit Virtuosen zufrieden
sein, so wird man sich nicht wundern dürfen, wird man nicht un-
gehalten sein können, wenn ich bei der sonstigen Erziehung eben-
falls nicht höhere Ansprüche stelle. Am wenigsten ist dann An-
lafs dazu vorhanden, wenn man bedenkt, dafs ich ja die gesamte
Erziehungsarbeit unter die Aufsicht und Kontrolle der Gesellschaft
gestellt zu sehen wünsche.
Was diese Kontrolle betrifft, so denke ich mir dieselbe,
wie ich dies bereits in einem Artikel über das Ziehkinderwesen
in der „Frauenbewegung" vor zwei Jahren ausgeführt habe, fol-
gendermafsen. In jedem häuslichen und städtischen Gemeinwesen
mülste ein aus erprobten Berufs-Pädagogen und sonstigen tüch-
tigen Männern und Frauen von edler, gemeinnütziger Gesinnung
bestehender Erziehungsrat gebildet werden. Dieser, aufs engste
an die Gemeindeverwaltung angeschlossen und mit voller
behördlicher Autorität versehen, würde sich am besten in
jji drei Sektionen gliedern, nämlich 1. Abteilung zur Kontrolle
der Erziehung von im elterlichen Hause aufwachsenden Kindern,
von Lehrlingen und unmündigen Dienstboten; 2. Abteilung zur
Überwachung von Waisenkindern, etwa dem Gemeinde - Waisen-
rate des neuen bürgerlichen Gesetzbuches entsprechend; 3. Ab-
teilung zur Fürsorge der unehelichen Kinder, dem in Leipzig vor-