Boekgegevens
Titel: Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
Auteur: Bergemann, Paul
Uitgave: Gera: Theodor Hofmann, 1900
Auteursrechten: Zie auteursrechten
Citeerinstructie: Bijzondere Collecties van de Universiteit van Amsterdam, UBM: IWO 670 J 10
URL: http://schoolmuseum.uba.uva.nl/bookid/LCSM_200003
Onderwerp: Pedagogiek: sociale pedagogiek
Trefwoord: Sociale pedagogiek, Handboeken (vorm)
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   Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
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282 III- Teil. Der theoretisclie Aufbau der sozialen Erziehungslehre.
mählich zu einer immer tieferen Auffassung des Sittlichen: das
„Müssen" wird nunmehr zum „Sollen". Die praktische Bethä-
tigungs-Sphäre für diese vertiefte Sittlichkeit ist hauptsächlich
wiederum die Familie, jedoch daneben naturgemäfs auch das Schul-,
überhaupt das ganze übrige Leben des Kindes.
Derartige Ansichten machen sich erfreulicherweise in immer
weiteren Kreisen geltend; die Phrase der Herbartianer von der
Mission der Erziehungsschule und des erziehenden Unterrichtes
wird immer mehr als das erkannt, was sie ist. Aber immerhin
wird der Kampf um diese schönen Schlagworte, „Erziehungs-
schule" und „erziehender Unterricht", die nichts als platte Tauto-
logien sind, vermutlich noch nicht so bald aufhören: nichts ist
ja schwerer ausrottbar als liebgewordene Vorurteile, als Vor-
urteile, welche der lieben Eitelkeit schmeicheln; auf die pochend
man eine grofse Macht in Händen zu haben glaubt. Die Nach-
welt wird über dieselben lachen und sich wundern, dafs ernste
Menschen so lange in ihnen befangen bleiben konnten, so lange
sich von einigen Reformern haben ins Schlepptau nehmen lassen,
welche ihre Ideen auf dem unsicheren Boden der Methaphysik,
einer metaphysisch fundierten Psychologie aufgebaut haben. Zum
Schlüsse teile ich hier noch die Meinung mit, welche der bekannte
Strafsburger Philosophie - Professor Theobald Ziegler in seiner
sehr lesenswerten kleinen Schrift „Die Fragen der Schulreform"
über unseren Gegenstand geäufsert hat, und welche fast ganz mit
der von mir ausgesprochenen übereinstimmt. „Die Schulen sind
Unterrichtsanstalten", sagt er, „das ist für mich etwas so Selbst-
verständliches und Unwidersprechliches, dals ich darüber nicht
viele Worte machen kann. Es ist nur eine Folge von der
Macht der Schlagworte und Phrasen unserer Zeit, dafs
man das verkannt hat und darüber streitet; und überdies ist die
Herbart'sche Pädagogik, welche von Haus aus Hofmeistererziehung
und Schulunterricht nicht genügend unterschieden und auseinander-
gehalten hat, an diesem ganzen unseligen Streit und Mifsverständ-
nis mitbeteihgt. Denn unselig ist der Verdacht und Vorwurf,
dafs die Schule ihre Pflicht nicht thue und ihr nicht genüge,
wenn sie ihre Schüler unterrichtet und das als die ihr zunächst
zugewiesene wichtigste Aufgabe ansieht, und unselig sind die auf
Grund jenes Mifsverständnisses an die Schule gestellten Anforde-
rungen. Und falsch ist auch die Unterscheidung eines erziehen-
den oder „erziehlichen" Unterrichtes von dem übrigen, vermutlich
also nicht erziehenden Unterrichte. Dem muls das Wort entgegen-