Boekgegevens
Titel: Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
Auteur: Bergemann, Paul
Uitgave: Gera: Theodor Hofmann, 1900
Auteursrechten: Zie auteursrechten
Citeerinstructie: Bijzondere Collecties van de Universiteit van Amsterdam, UBM: IWO 670 J 10
URL: http://schoolmuseum.uba.uva.nl/bookid/LCSM_200003
Onderwerp: Pedagogiek: sociale pedagogiek
Trefwoord: Sociale pedagogiek, Handboeken (vorm)
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   Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
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§ 29. Häusliche und öffentliche Erziehung. 281
und zwar auf den verschiedenen Gebieten des Seelenlebens. Sucht
man zusammenzufassen, so findet man, dafs es reine Typen
gar nicht oder kaum giebt: in den seltensten Fällen ist ein
Mensch gleich begabt hinsichtlich des Vorstellens, Fühlens und
Wollens, so dafs es einen ganz reinen, ganz untadeligen Drei-
klang gäbe, was doch entschieden stets der Fall sein mülste,
wenn Gefühle und Strebungen nur Modifikationen des Vorstellens
wären. Wie falsch diese Annahme ist, wie so gar nicht den
wirklichen Thatsachen entsprechend, das ergiebt sich ja, was ich
noch zum Überflusse erwähnen will, aus der Beobachtung des
ganz jungen Kindes. Nehmen wir ein Neugeborenes; nach einer
gewissen Zeit telegraphiert dessen Magen in das Hirn einen Reiz.
Derselbe löst das Unlustgefühl des Hungers aus, und das Kind
verlangt nun nach dessen Beseitigung: die Mutter reicht ihm die
Brust und stillt es. Wo ist da die Rede von Vorstellungen sei-
tens des Kindes? Das Kind weifs ja noch gar nichts von seiner
Mutter und von deren Fähigkeit, seinen Hunger zu stillen; es
kennt auch noch gar nicht einmal die Empfindung des Hungers:
nur ein vages Unlustgefühl ist infolge des sich regenden Nah-
rungstriebes gegeben, welches das Kind loszuwerden trachtet. —
Kurz und gut, in jeder Beziehung erweist sich die Lehre
der Herbartianer, dafs Gefühle und Wollungen Modifi-
kationen der Vorstellungen seien, als unhaltbar.
Wir können also nunmehr, alle diese Ausführungen ab-
schliefsend, bezüglich des Verhältnisses der häuslichen, der Fami-
lien- zur Schul-Erziehung Folgendes sagen. Die Schule hat es in
der That nicht, jedenfalls nicht in erster Linie, mit der Charakter-,
Gemüts-, oder Gesinnungsbildung der Zöglinge zu thun, sondern
vornehmlich mit der des Intellektes. Der Unterricht, auf welchen
die Schule den Hauptnachdruck als das ihr im besonderen zu-
kommende Mittel, auf die Jugend einzuwirken, entschieden zu
legen hat, sagt den Kindern, wie die Welt nach unserer Erfah-
rung ist. Die Zucht, welche Sache des Hauses, der Familie ist,
zeigt ihnen, wie sie der Welt gegenüberzutreten haben, ge-
wöhnt sie an ein, den sie umgebenden Verhältnissen entsprechen-
des Verhalten. Schule und Haus verhalten sich daher ge-
wissermafsen wie Theorie und Praxis zueinander. Mit
Tugendhaftigkeit schon einigermafsen vertraut tritt das Kind in
die Schule ein und lernt hier das moralische Raisonnement kennen.
Indem es dadurch angeleitet wird, sein gewohnheitsmäfsiges Thun
unter theoretischen Gesichtspunkten zu betrachten, gelangt es all-