Boekgegevens
Titel: Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
Auteur: Bergemann, Paul
Uitgave: Gera: Theodor Hofmann, 1900
Auteursrechten: Zie auteursrechten
Citeerinstructie: Bijzondere Collecties van de Universiteit van Amsterdam, UBM: IWO 670 J 10
URL: http://schoolmuseum.uba.uva.nl/bookid/LCSM_200003
Onderwerp: Pedagogiek: sociale pedagogiek
Trefwoord: Sociale pedagogiek, Handboeken (vorm)
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   Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
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§ 4. Grenzen der Erziehung. 8CH00LMÜ8EUM
haupt giebt es genug Thatsachen, welche beweisen, dass im
Moment der Konzeption vorhandene, vorübergehende Zustände
physischer oder psychischer Natur einen entscheidenden Einfluls
auf die Beschaffenheit des erzeugten Wesens haben können; jedoch
wird man solchen Zuständen somatischer Art keinen allzu erheblich
modifizierenden Einfluss auf die Keime zuschreiben dürfen, da die-
selben ja längst präformiert sind: nur sofern die betreffenden Zu-
stände, wie Alkohol-, Opium- und Haschisch-Rausch, die Kon-
stitution der Keimdrüsen zu beeinflussen vermögen, ist eine Ein-
wirkung als sicher anzunehmen. Was den modifizierenden Einflufs
psychischer Zustände im Augenblicke der Zeugung betrifft, so
hält es schwer, denselben angesichts zahlreicher Thatsachen der
Erfahrung zu leugnen, aber noch schwerer, eine befriedigende Er-
klärung dafür beizubringen. Man wird auch hier wohl irgend
eine Beeinflussung der Konstitution der Keimdrüsen annehmen
müssen. Als Beweis des Einflusses psychischer Zustände bei der
Konzeption auf die erzeugten Wesen möchte ich hier folgenden
mir bekannten Fall erwähnen. Die Kinder einer Frau, die vor
dem Begattungsakte stets Ekel empfand, sind fast alle von
melancholischer Gemütsart, nur dafs die einen einen geringeren
die anderen einen gröfseren Hang zur Melancholie haben. Die
Eltern sind beide durchaus nicht melancholisch. Nur bei einem
Kinde dieser Frau ist ein etwas heitereres und fröhlicheres Tem-
perament zu konstatieren. Bei der Zeugung dieses Kindes trat
das sonst stets vorhandene Gefühl des Ekels vor der Begattung
in den Hintergrund, indem die Frau in ihrer Phantasie an die
Stelle des ungeliebten Gatten einen Künstler setzte, welcher ihre
Sinnlichkeit rege gemacht hatte. Man verstehe mich jedoch nicht
falsch: von einer unmittelbaren Einwirkung der Phantasie auf den
Keim kann, trotz Goethes „Wahlverwandtschaften", gar keine
Rede sein, ebensowenig wie psychische Emotionen während der
ersten Monate der Schwangerschaft imstande sind, direkt um-
bildend auf den sich entfaltenden Embryo zu wirken. Aber wie
die letzteren auf dem Wege veränderter Zirkulations-Verhältnisse
das indirekt vermögen, so scheint doch eben die Konstitution der
Keimdrüsen beeinflufst werden zu können durch im Momente der
Zeugung vorhandene lebhafte psychische Erregung, sei dieselbe
nun die Folge einer besonders starken Phantasie-Thätigkeit oder
sonst irgend einer leidenschaftlichen Stimmung.
Sowenig sicher aber auch die Grenzen der Vererbung indi-
vidueller Eigentümlichkeiten sind, so will ich doch an der Hand