Boekgegevens
Titel: Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
Auteur: Bergemann, Paul
Uitgave: Gera: Theodor Hofmann, 1900
Auteursrechten: Zie auteursrechten
Citeerinstructie: Bijzondere Collecties van de Universiteit van Amsterdam, UBM: IWO 670 J 10
URL: http://schoolmuseum.uba.uva.nl/bookid/LCSM_200003
Onderwerp: Pedagogiek: sociale pedagogiek
Trefwoord: Sociale pedagogiek, Handboeken (vorm)
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   Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
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§ 29. Häusliche und öffentliche Erziehung. 279
oder macht die natürliche Schwäche des Intellekts die Belehrung
unmöglich, so ist das Resultat der Erziehungsarbeit der gute
Kerl, der aber mit seinem guten Herzen nichts Rechtes anzu-
fangen weifs; der, um davon einen wahrhaft erspriefslichen Ge-
brauch machen zu können, noch einer anderen Intelligenz bedarf,
eines anderen Menschen, der ihm als Leuchte zu dienen vermag.
Mangelt jene, oder ist das Trieb- und das Affektleben von Natur
aus nicht ganz intakt, so liefert die Erziehung an das Leben einen
Menschen ab, der das Gute kennt, unter Umständen auch bereit
ist, den Lehren und Ermahnungen gemäfs, die er empfangen hat,
zu handeln; der dazu jedoch nicht imstande ist. Ist es denn nicht
eine allbekannte Thatsache, dafs dem Andrängen ungezügelter,
durch die Gewöhnung nicht hinreichend gebändigter Triebe die
besten Vorsätze nicht standhalten, dafs auch die Furcht vor Be-
strafung, sei es durch die irdische Gerechtigkeit, sei es durch über-
sinnliche Mächte, an die man glaubt, keineswegs es immer ver-
mag, schlimme Thaten zu verhindern! Auch die bitterste Reue,
die gröfste Zerknirschung über eine begangene verbrecherische
Handlung ist kein sicheres Kriterium dafür, dafs sich dieselbe
nicht mehr wiederholen werde. Man denke doch einmal an einen
Menschen von jähzornigem Temperament. Wie viele Beispiele
für die Verderblichkeit des Jähzornes werden einem solchen vor-
geführt; wie bitterlich beklagt er oft die Wirkungen seiner bösen
Leidenschaft! Er verurteilt sie ohne weiteres; er nimmt sich vor,
ihr nicht mehr nachzugeben: wenn ihm aber nicht durch rastlose
Gewöhnung, durch unmittelbar auf jeden Ausbruch seines hef-
tigen Temperamentes folgende Strafe sein Jähzorn ausgetrieben
wird und zwar von Kindesbeinen an, so nützt alles Belehren
nichts. Was unser Gefühlsleben, das zu dem Willensleben in in-
timster Beziehung steht, anlangt, so ist es allerdings sicher, dafs,
was ich schon einmal zu betonen Gelegenheit hatte, im Unter-
richte mit den Vorstellungen zugleich sie begleitende Gefühle
auftreten. Aber, was ich ebenfalls bereits hervorgehoben habe,
diese Wirkung auf das Gefühlsleben wird durch die Anforderungen
der Belehrung an den Intellekt, im besonderen das Gedächtnis der
Kinder stark abgeschwächt, ganz abgesehen davon, dafs der dies-
bezügliche Unterricht im Rahmen der Gesamterziehung und gegen-
über den Milieu-Einwirkungen nur eine verhältnismäfsig beschei-
dene Rolle spielt. Und zudem sind diese intellektuellen, in Be-
gleitung von Vorstellungen auftretenden Gefühle nicht sehr starke
Gefühle.