Boekgegevens
Titel: Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
Auteur: Bergemann, Paul
Uitgave: Gera: Theodor Hofmann, 1900
Auteursrechten: Zie auteursrechten
Citeerinstructie: Bijzondere Collecties van de Universiteit van Amsterdam, UBM: IWO 670 J 10
URL: http://schoolmuseum.uba.uva.nl/bookid/LCSM_200003
Onderwerp: Pedagogiek: sociale pedagogiek
Trefwoord: Sociale pedagogiek, Handboeken (vorm)
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   Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
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278 III- Teil. Der theoretisclie Aufbau der sozialen Erziehungslehre.
flikte gerät, aus denen er niemals, ohne so oder so Schaden zu
nehmen, hervorgehen kann. Ist der Zögling nicht ganz auf den
Kopf gefallen, so wird er sich danach zu richten wissen: er wird
sich aus den Beispielen, die wir ihm als Illustrationen zu unseren
Belehrungen und Ermahnungen vorführen, eine Lehre entnehmen
und sich dieselbe hinter die Ohren schreiben. Er wird, wie man
zu sagen pflegt, klug werden und sich bestreben, immer klug zu
sein und zu handeln; moralisch aber haben wir ihn dadurch nicht
gemacht: Moralität läfst sich nicht andozieren. Durch
Belehrungen und Ermahnungen vermögen wir den Menschen eben
nur klug zu machen. Jedoch diese Klugheit reicht wohl in vielen
Fällen, namentlich bei unbedeutenden Dingen, geringfügigen Kon-
flikten, nicht aber in grofsen Krisen aus. Man kann getrost
sagen: alle die schönen Grundsätze, die wir dem Men-
schen beigebracht haben, sind ein toter Schatz ohne
die rastlose Arbeit der Gewöhnung. Nur diese bereitet den
Menschen in der richtigen Weise für die im Leben so zahlreichen
Stunden der Prüfung vor; die moralischen Grundsätze geben dann
hinterher den Namen zu unseren Handlungen her, lassen sie als-
dann als edel oder verwerflich erscheinen, die Handlungen selbst
bewirken sie nicht. Diese entspringen aus den Tiefen unseres
Trieblebens, mit dem unser Gefühls-, unser Affektleben in innigstem
Zusammenhange steht. Und darauf hat die Belehrung — ich will
nicht gerade sagen: gar keinen — aber jedenfalls nur einen sehr
geringen Einflufs; dabei kommt es vor allem an auf Vererbung,
individuelle Variation und Gewöhnung. Das ist der Grund, wes-
halb die Belehrung, die Bildung des Vorstellens nicht ohne wei-
teres den Willen beeinflufst; derselbe wurzelt im Triebleben, und
diesem ist, wie die Erfahrung lehrt, durch Belehrung nicht bei-
zukommen. Gewifs soll und kann auch, wie ich bereits sagte, unser
Intellekt eine Leuchte des Trieblebens sein, gleichsam der Steuermann
unseres Selbst, das als auf dem Meere des Lebens treibendes Schiff
aufgefafst wird, nach dem Worte eines französischen Schriftstellers,
der da sagt: ,Les passions sont les vents qui font aller notre
vaisseau, et la raison est le pilote qui le conduit. Le vaisseau n'irait
point sans les vents et se perdrait sans le pilote". Dazu gehört
jedoch zweierlei: einmal dies, dafs unser Triebleben (und auch
unser Aflektleben) als solches gebildet werde — das geschieht
und kann nur geschehen durch Gewöhnung; zum anderen dies,
dafs unser Verstand, unser Vorstellen in der rechten Weise ge-
bildet werde — das ist Sache des Unterrichts. Fehlt es daran.