Boekgegevens
Titel: Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
Auteur: Bergemann, Paul
Uitgave: Gera: Theodor Hofmann, 1900
Auteursrechten: Zie auteursrechten
Citeerinstructie: Bijzondere Collecties van de Universiteit van Amsterdam, UBM: IWO 670 J 10
URL: http://schoolmuseum.uba.uva.nl/bookid/LCSM_200003
Onderwerp: Pedagogiek: sociale pedagogiek
Trefwoord: Sociale pedagogiek, Handboeken (vorm)
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   Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
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§ 29. Häusliche und öffentliche Erziehung. 277
das Vorbild und Beispiel. Sie wissen, dafs es nötig ist, ihr Leben
nach ihren Lehren einzurichten; aber es fehlt ihnen an Mut und
Entschlossenheit dazu: sie trösten sich dann wohl damit, dafs das
Kind den Zwiespalt nicht merken werde. Täuschen wir uns doch
nicht; Kinder haben eine sehr feine Witterung: sie merken
den Zwiespalt sofort, sie forschen ihm nach und versuchen,
hinter seine Ursachen zu kommen, was ihnen auch in den meisten
Fällen gelingt. Und dann haben wir verspielt; unser Einflufs ist
verscherzt, zum mindesten mehr oder weniger stark abgeschwächt.
Darum enthalte man sich heber jeglicher Belehrung, wenn man
genau weifs, dafs man aus irgend einem Grunde, aus irgend wel-
chen Rücksichten sein Leben nicht ihr gemäfs gestalten kann.
Dahin gehört auch das, dafs man begangene Irrtümer und Fehler
vor den Kindern nicht verschleiern und bemänteln soll; dafs viel-
mehr das das Richtige ist, seine Abirrungen rückhaltlos zu be-
kennen. In der fünften seiner Vorlesungen „Über Erziehung"*)
sagt Egidy einmal sehr mit Recht: „Gerade durch das rückhalt-
lose Bekennen wirkt man am wichtigsten als Beispiel; gerade da-
durch, dafs man dem andern sagt: „Jawohl, das war eine Ab-
irrung, und diese Abirrung hat die und die Nachteile, das und
das Empfinden der Qual, der Bufse, der Sühne in mir erzeugt,
hat die oder jene qualvollen Stunden mir bereitet". Gerade das
zeigt dem anderen, dafs er nicht abirren soll. Und durch das
Abirren, wenn es so zum Segen für andere wird, haben wir ja
selbst wiederum den Segen, abermals gesehen zu haben, dafs man
die rechte Strafse nicht verlassen soll, um uns nicht selbst Un-
lust zu bereiten".
Also sicherlich ist es so, dafs bei der sittlichen Bildung der
entschiedene Nachdruck auf die Gewöhnung zu legen ist; dafs die
Belehrung ohne sie nichts nützt und fruchtet. Welchen Zweck
bezüglich der sittlichen Bildung die Belehrung hat, das
habe ich vorher schon kurz angedeutet; ich füge hier noch Fol-
gendes hinzu. Durch die morahsche Belehrung wird der Zög-
ling nicht nur mit einer Fülle ethischer Maximen ausgerüstet;
sondern dadurch wird ihm auch klar gemacht, an augenfälligen
Beispielen gezeigt, dafs das Befolgen oder Nichtbefolgen der
Moral-Gebote und -Verbote dem Menschen zum Segen oder Un-
segen gereicht; dafs der Mensch durch das Nichtbefolgen in Kon-
*) Man vergleiche: „Ethisch-sozialwissenschaftliche Vortragskurse" etc.,
herausg. von der Schweizerischen Gesellschaft für ethische Kultur. Bd. III