Boekgegevens
Titel: Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
Auteur: Bergemann, Paul
Uitgave: Gera: Theodor Hofmann, 1900
Auteursrechten: Zie auteursrechten
Citeerinstructie: Bijzondere Collecties van de Universiteit van Amsterdam, UBM: IWO 670 J 10
URL: http://schoolmuseum.uba.uva.nl/bookid/LCSM_200003
Onderwerp: Pedagogiek: sociale pedagogiek
Trefwoord: Sociale pedagogiek, Handboeken (vorm)
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   Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
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§ 29. Häusliche und öffentliche Erziehung. 273
welche sich bezüglich des Affekttones neutral verhalten: hier
löst also der betreffende Reiz kein Gefühl mit aus. Anderseits
aber kann ein solcher auch eine Veränderung hervorrufen, deren
wir uns nicht oder nicht sofort, nicht unmittelbar als Empfindung
bewufst werden: wir werden ihrer blofs als eines Zustands-
wechsels inne; da haben wir das Gefühl allein. Man denke an
das eigentümliche Gefühl der Leere, das entsteht, wenn plötzlich
ein Geräusch, etwa das Geklapper einer Mühle, an das wir ge-
wöhnt sind, aufhört. Hier ist von einer Empfindung oder einer
Vorstellung zunächst gar keine Rede: es ist ja gar kein Reiz vor-
handen; vielmehr tritt nur durch das Aufhören eines gewohnten
Reizes eine Änderung in unserem psycho - physischen Zustande
ein, deren wir eben durch ein Gefühl, das ja Zustandsbewufstsein
ist, inne werden. Ferner erinnere ich an die Trieb- und Organ-
gefühle; ein Zahnweh z. B. ist da, ist eine Gegebenheit und ver-
anlafst uns nun erst, darüber nachzudenken, uns die Ursachen
seines Auftretens und die Mittel, die zu seiner Beseitigung führen
können, vorzustellen, indem das Unlustgefühl, das wir haben, den
Wunsch, das Begehren wachruft, von ihm befreit zu werden:
eine Vorstellung als das primär Gegebene kommt dabei
doch nicht im entferntesten in Betracht. Dafs Vorstellungen
ohne Gefühle auftreten können; dals sie keineswegs immer von
solchen begleitet sind, lehrt folgende Erfahrung. Viele Gegen-
stände, z. B. die unserer täglichen Umgebung, die Möbel unserer
Zimmer, die Häuser, auf welche wir von unseren Fenstern aus
blicken, alles das rührt uns gar nicht; d. h. die von diesen Gegen-
ständen auf uns ausgeübten Reize lösen wohl Vorstellungen der-
selben aus, aber keine Gefühle: diese Vorstellungen lassen
uns völlig gleichgiltig.
Woher also jene Behauptung der Herbartianer? Nun, ich
will es ganz kurz sagen: aus der Metaphysik. Die Psychologie der
Pädagogen, welche für den erziehenden Unterricht schwärmen, ist
nur bis zu einem gewissen Grade empirisch, letzten Endes ist sie
metaphysisch fundiert: es handelt sich dabei um eine empirisch-
spekulative Psychologie. Nichts gefahrlicher als eine solche;
wer darauf baut, der baut auf Sand: bei ihr wird das gesammelte
empirische Material, werden die zusammengetragenen Beobachtungs-
thatsachen zu Gunsten einiger, von vornherein feststehender speku-
lativer Allgemeinsätze vergewaltigt. So auch im vorliegenden
Falle, indem nämlich die Existenz eines besonderen Seelenwesens
und zwar als eines absolut einheitlichen, als einer Monas, voraus-
Bergemanu, Soziale Pädagogik. 18