Boekgegevens
Titel: Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
Auteur: Bergemann, Paul
Uitgave: Gera: Theodor Hofmann, 1900
Auteursrechten: Zie auteursrechten
Citeerinstructie: Bijzondere Collecties van de Universiteit van Amsterdam, UBM: IWO 670 J 10
URL: http://schoolmuseum.uba.uva.nl/bookid/LCSM_200003
Onderwerp: Pedagogiek: sociale pedagogiek
Trefwoord: Sociale pedagogiek, Handboeken (vorm)
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   Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
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272 III- Teil. Der theoretisclie Aufbau der sozialen Erziehungslehre.
zeichnet, beruht auf dem Mitgefühl, das demgemäfse Handeln
allerdings auf entsprechendem Wollen, aber dieses Wollen
wurzelt nicht im Gedankenkreise, wächst nicht aus den
Gedankenmassen heraus. Herbart und seine Jünger sagen:
es giebt kein selbständiges Gefühls- und Willensleben, also kein
für sich bestehendes Gemütsleben; sondern Gefühle und Wollungen
sind nichts anderes als Modifikationen der Vorstellungen, „die
durch das Zusammentreffen der Vorstellungen im Bewufstsein ent-
stehen." Ich frage zunächst: was in aller Welt soll man sich
dabei eigenthch denken? Zwei Vorstellungen sollen „im Bewufst-
sein zusammentreffen", als ob dasselbe ein leerer Raum, eine
Art Schaubühne wäre. Das Bewufstsein ist ja gar nichts Kon-
kretes, sondern ein Abstraktes, das als solches nicht eine Realität
für sich hat, nicht neben und aufser den Vorstellungen, Gefühlen,
Willensimpulsen, sondern nur in diesen ist. Ferner: Avoher weifs ich
denn, dafs Gefühle und Strebungen „blofs Modifikationen der Vor-
stellungen", dals diese also die „primären Elemente' des Seelen-
lebens, jene sekundäre, abgeleitete Seelenelemente sind? Aus der
Erfahrung sicherlich nicht; denn in der Erfahrung sind uns Vor-
stellungen, Gefühle, Strebungen als durchaus koordinierte psy-
chische Erscheinungen gegeben: sie sind qualitativ vonein-
ander verschieden nach den untrüglichen Aussagen unseres Be-
wufstseins, denen zufolge Vorstellen Gegenstands-, Fühlen
Zustands- und Wollen Ursache-Bewufstsein ist.
Aufserdem läfst sich leicht genug zeigen, dafs z. B. Gefühle
keineswegs stets in Begleitung von Vorstellungen auftreten, immer
an Vorstellungen gebunden sind, was doch der Fall sein müfste,
wenn sie die Modifikationen solcher wären. Höchstens kann gesagt
werden, dafs Gefühle zumeist in Verbindung mit Em-
pfindungen vorkommen, aber auch eben nur zumeist. Oft ist
blofs ein Gefühl in unserem Bewufstsein gegeben; das ist u. a.
der Fall bei dem Unlustgefühl der Langenweile. Auch das kommt
häufig genug vor, dafs ein vorhandenes Gefühl uns erst, bildlich
gesprochen, einer Vorstellung auf die Spur bringt, so das Unlust-
gefühl des Hungers oder Durstes. Der Sachverhalt ist kurz fol-
gender: wir können auf irgendwelche Reize in doppelter Weise
reagieren, objektiv und subjektiv. Die objektive Reaktion
führt zu Empfindungen, Wahrnehmungen, Vorstellungen; die sub-
jektive Reaktion äufsert sich im Fühlen. In vielen Fällen treffen
beide Reaktionsweisen zusammen; nicht selten tritt nur eine von
beiden auf. So giebt es eine ganze Reihe von Empfindungen,