Boekgegevens
Titel: Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
Auteur: Bergemann, Paul
Uitgave: Gera: Theodor Hofmann, 1900
Auteursrechten: Zie auteursrechten
Citeerinstructie: Bijzondere Collecties van de Universiteit van Amsterdam, UBM: IWO 670 J 10
URL: http://schoolmuseum.uba.uva.nl/bookid/LCSM_200003
Onderwerp: Pedagogiek: sociale pedagogiek
Trefwoord: Sociale pedagogiek, Handboeken (vorm)
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   Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
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10 I- Teil. Die pädagogischen GrundbegriflFe.
sich geltend machen. Kurz: Vererbung trete da zumeist ein, wo
es sich um Besonderheiten handle, welche gewissermafsen von
zentraler Bedeutsamkeit sind; welche gleichsam bis in den Kern
des individuellen Lebens eindringen. Während die Vererbung
nicht sich geltend mache, wo blofs mehr äufserliche, nur an der
Peripherie des individuellen Lebens sich haltende Eigentümlich-
keiten in Betracht kommen. Jedoch diese Erklärung, so plausibel
sie erscheint, ist nicht durchaus stichhaltig. Es widersprechen ihr
die zahlreichen Fälle der Vererbung von Idiosynkrasien und noch
mehr die so häufig zu beobachtende Vererbung von körperlichen
Merkmalen, die wir als völlig nebensächlich und gleichgiltig an-
zusehen berechtigt sind, wie die von Leberflecken und Muttermalen
der verschiedensten Art. Und umgekehrt giebt es Fälle genug,
wo das Leben eines Menschen durch brutale Zufälle sozusagen bis
ins Mark getroffen wird — man denke nur an ein im Kriege
weggeschossenes Bein — ohne dass darunter die Nachkommen-
schaft des betreffenden Individuums zu leiden hätte. Ausdrücklich
sagt Haeckel in seiner „Natürlichen Schöpfungsgeschichte", dass
in dergleichen Fällen eine erbliche Übertragung erfahrungsmässig
nicht stattfindet. Mir ist persönlich ein Herr bekannt, der im
Kriege von 1870/71 sein rechtes Bein verloren hat. Er ver-
heiratete sich im Jahre 1874 und hat vier Kinder mit ganz normalen
Gehwerkzeugen. Jedenfalls ist es gegenüber den Thatsachen der
Erfahrung unmöglich, in dem angedeuteten Sinne ein für die Ver-
erbung geltendes Gesetz aufzustellen. Der Ausnahmen von diesem
Gesetze wären doch zu viele und zwar nicht blofs in der an-
gegebenen Richtung, sondern auch in der gerade entgegengesetzten.
Körperliche Rüstigkeit, intellektuelle und moralische Tüchtigkeit
sind sicherlich von gröfster Bedeutung für die Lebenserhaltung
und Lebenserhöhung eines Menschen; aber wir sehen sie keines-
wegs stets von den Eltern auf die Kinder übergehen. Allerdings
muss hierbei berücksichtigt werden, dafs sowohl vor der Geburt
als auch noch nach derselben Ursachen wirksam sein können,
welche eine ungünstige Entwickelung zu bedingen imstande sind.
Man denke etwa an die Folgen von Krankheiten, welche das Kind
zu überstehen gehabt hat, oder an vielleicht im Augenblicke der
Zeugung vorhandenen Rausch. Dafs in einem vorübergehenden
Anfall von Intoxikationsdelir oder auch nur in leichterem Rausch
gezeugte Kinder oft epileptisch, irr, schwachsinnig oder idiotisch
sind, nicht selten stumpfe Sinne haben, ist durch einwandsfreie
Beobachtungen von vielen Forschern festgestellt worden. Über-