Boekgegevens
Titel: Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
Auteur: Bergemann, Paul
Uitgave: Gera: Theodor Hofmann, 1900
Auteursrechten: Zie auteursrechten
Citeerinstructie: Bijzondere Collecties van de Universiteit van Amsterdam, UBM: IWO 670 J 10
URL: http://schoolmuseum.uba.uva.nl/bookid/LCSM_200003
Onderwerp: Pedagogiek: sociale pedagogiek
Trefwoord: Sociale pedagogiek, Handboeken (vorm)
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   Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
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270 III- Teil. Der theoretisclie Aufbau der sozialen Erziehungslehre.
Ganze der Erziehungsarbeit und die Gesamtausdehnung
des Erziehungsproblems getrübt. Einer solchen Einseitig-
keit gegenüber, welche im Unterrichte den Schwerpunkt der Er-
ziehungsthätigkeit findet, mufs mit aller Energie die Totalität
derselben und die Gleichwertigkeit der verschiedenen Er-
ziehungs-Funktionen betont, auf das weite Gebiet, das ihr
nach unserer heutigen Auffassung gesellschaftlicher Dinge, unserer
Beurteilung der sozialen Verhältnisse offensteht, hingewiesen
werden.
Bezüglich des ersten Vorwurfes ist Folgendes zu bemerken.
Man befindet sich mit der Lehre vom erziehenden Unterrichte im
Unrecht; denn man geht dabei von einer falschen Voraus-
setzung, von einer irrigen Annahme aus: die psychologische
Grundlage, auf der man jene Theorie aufgebaut hat, trägt dieses
Gebäude nicht. Es ist endlich an der Zeit, dafs man die
Redensarten von der Mission der Erziehungsschule und vom er-
ziehenden Unterrichte als solche erkennt. Die Schule ist natür-
Hch eine Erziehungsschule: denn sie ist einer der Faktoren, deren
sich die Erziehung bedient und bedienen mufs, um ihren Zweck
voll zu erreichen; aber Erziehung im Sinne der Charakter-
bildung ist nicht ihre Hauptaufgabe und kann das gar nicht
sein. Und der Unterricht ist natürlich erziehender Unterricht:
denn er ist eine hochwichtige Erziehungs-Funktion neben den
anderen, Pflege, Übung, Spiel und Zucht; aber von einer im
Sinne der Charakterbildung wirkenden, von einer Gesinnung
bildenden Kraft desselben reden ist sinnlos, ist blofse Phrase.
Sehen wir zu weshalb. Nach H e r b a r t stellt sich die Sache
folgendermafsen dar. Der Unterricht hat den Zweck, im Zög-
linge vielseitiges Interesse zu erwecken, aber nicht, weil dies
an und für sich von irgendwelcher Bedeutung, sondern weil
es die Grundlage der Tugendhaftigkeit sei. Um zu begreifen,
wie das möglich sein solle, müssen wir uns klar machen, was
Herbart unter Vielseitigkeit des Interesses versteht. Mit diesem
etwas geschraubten Ausdrucke will er, um es ganz kurz zu
sagen, eine nach den verschiedensten Seiten hin sich äufsernde
geistige Regsamkeit bezeichnen, oder, da eine solche nur auf der
Grundlage eines mannigfaltigen und reichhaltigen Wissens mög-
lich ist, kann man auch sagen, dafs er dem Unterrichte das
Ziel steckt, den Schüler mit einem vielseitigen, jedoch nicht toten,
sondern lebendigen Wissen auszurüsten, das gleichsam einen Stachel,
einen Sporn in sich birgt, das da nämlich fort und fort zum