Boekgegevens
Titel: Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
Auteur: Bergemann, Paul
Uitgave: Gera: Theodor Hofmann, 1900
Auteursrechten: Zie auteursrechten
Citeerinstructie: Bijzondere Collecties van de Universiteit van Amsterdam, UBM: IWO 670 J 10
URL: http://schoolmuseum.uba.uva.nl/bookid/LCSM_200003
Onderwerp: Pedagogiek: sociale pedagogiek
Trefwoord: Sociale pedagogiek, Handboeken (vorm)
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   Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
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268 III- Teil. Der theoretisclie Aufbau der sozialen Erziehungslehre.
hinaus, in die Sprachgeschichte hinein und überhaupt der Ent-
stehung der Sprache nachgehen. Aber man glaube doch nicht,
dals dadurch der Wille unmittelbar beeinflufst, dafs dadurch Tu-
gend erzielt werde. Die Bildung des Willens kann nur auf
dem Wege der Gewöhnung sich vollziehen: tapfer wird
kein Kind, und wenn ich ihm auch alle Helden thaten aller Hel-
den der alten und neuen Welt erzähle, sondern einzig und
allein dadurch, dafs ich es an Tapferkeit gewöhne, indem
ich es fort und fort in Lagen bringe, die Tapferkeit er-
heischen.
§ 31.
Die andere Partei, welche von dem Unterrichte eine direkt
Willen bildende Wirkung erwartet, hat die Parole „erziehender
Unterricht' ausgegeben und auf ihre Fahne geschrieben. Er-
ziehender Unterricht, nun das klingt ja zunächst ziemlich harm-
los; wenn man dies Schlagwort zum ersten Male hört oder liest
und dazu nur die kurze Bemerkung gemacht wird, dafs damit auf
die Charakter bildende, versittlichend wirkende Kraft des Unter-
richtes hingedeutet werden soll, so denkt man unwillkürlich an
nichts anderes als an die unterrichtliche Übermittelung ethischer
Maximen. Dafs eine solche erspriefslich und erforderlich ist, das
giebt man ohne weiteres gern zu. Man sagt ganz richtig: das
Kind mufs nicht nur an sittliches Handeln gewöhnt werden, son-
dern es mufs auch allmählich lernen, sein gewohnheits-
mäfsiges Thun unter theoretischen Gesichtspunkten zu
betrachten, damit es erfahre, von welchem Werte im Rahmen
des menschlichen Lebens die Moralität ist. Es wird auf diese
Weise dahin geführt, auch in sein Gemütsleben eine ge-
wisse systematische Ordnung zu bringen, um sich in dem-
selben an der Hand von Grundsätzen leichter und schneller zu-
rechtfinden zu können. Aber wer da glaubt, auf diese Weise im
Sinne der Pädagogen, welche das Schlagwort vom erziehenden
Unterrichte beständig im Munde führen, zu sprechen, der irrt
gewaltig. Dieselben meinen damit etwas ganz anderes; sie sind
eben der Ansicht, dals der Unterricht ganz unmittelbar den
Charakter des Zöglings beeinflusse; dafs der Belehrung eine direkt
das Gemüt — oder, wie jene Pädagogen sich stets ausdrücken,
die Gesinnung — bildende Kraft innewohne. Ja, sie gehen so-
weit, dafs sie den Unterricht für das wichtigste Mittel zur Ver-
sittlichung ansehen, von der Gewöhnung wenig oder gar nichts