Boekgegevens
Titel: Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
Auteur: Bergemann, Paul
Uitgave: Gera: Theodor Hofmann, 1900
Auteursrechten: Zie auteursrechten
Citeerinstructie: Bijzondere Collecties van de Universiteit van Amsterdam, UBM: IWO 670 J 10
URL: http://schoolmuseum.uba.uva.nl/bookid/LCSM_200003
Onderwerp: Pedagogiek: sociale pedagogiek
Trefwoord: Sociale pedagogiek, Handboeken (vorm)
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   Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
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§ 29. Häusliche und öffentliche Erziehung. 267
in langsamem, aber sicherem Fortschritte entzünden; sondern man
bemüht sich auch noch, ihre direkt Willen bildende Tendenz,
ihre Tugend entfaltende Kraft uns vor Augen zu führen: so sollen
Mathematik und Naturwissenschaft zum „Gewissen der Wahrheit"
erziehen u. dgl. m. Mache man .sich doch nicht selbst etwas
weis; klammere man sich doch nicht so zäh an derartige Aus-
sagen der alten phantastischen Psychologie, sondern nehme man
endlich einmal die Dinge so, wie sie wirkhch sind; schaue
man endlich einmal mutig den Thatsachen, welche uns das Leben
bietet, ins Gesicht. Ich kenne Mathematiker und Naturwissen-
schaftler, deren „Gewissen der Wahrheit" sehr viel zu wünschen
übrig läfst. Ob man eine mehr naturwissenschaftliche und mathe-
matische oder eine mehr philologische und historische Geistes-
bildung genossen hat, man kann in dem einen Falle so gut wie
in dem anderen verlogen und verheuchelt und ein rück-
sichtsloser Streber sein. Ich dächte, wir hätten unter den
Lehrern der Naturwissenschaften z. B. genug Leute, welche sich
bemühen, den alten Bibelglauben mit moderner Natur- und Welt-
Erkenntnis in Einklang zu setzen. Und man wird wahrlich nie-
mandem einreden dürfen, dafs sie das aus tiefinnerstem Herzens-
bedürfnis heraus thun; es ist das nichts anderes als streber-
hafte Liebedienerei, einfach nackte Heuchelei. Ja, fassen wir
doch überhaupt einmal unsere Gebildeten von heute ins Auge.
Dieselben sind allesamt mathematisch und naturwissenschaftlich
schon recht wohl geschult, sind allesamt mehr oder weniger ver-
traut mit den Ergebnissen der neueren naturwissenschaftlichen
Forschungen. Aber um ihr Gewissen der Wahrheit sieht es
nichts desto weniger mehr als traurig aus. Eine verlogenere,
verheucheltere Gesellschaft als die der Gebildeten an der Wende
des 19. und 20. Jahrhunderts kann man sich ja kaum noch
denken. Also mit solchen Redensarten, wie den erwähnten, bleibe
man nur getrost der neuen Pädagogik fern, die nicht eine Päda-
gogik willkürlicher Phantasterei und schöner Phrasen, sondern ein-
zig und allein des Thatsächlichen sein will und auch sein mufs.
Es ist das alles Künstelei und Formalismus. Der Unterricht
ist von ungeheurer Bedeutung für die soziale Erziehung,
weil er dem Zöglinge den Zusammenhang klar macht,
die Beziehungen entschleiert, welche zwischen den
Menschen bestehen, so der Geschichts-, so der Sprach-Unter-
richt in geradezu eminentem Sinne: nur mufs der letztere nicht
blofs auf die übliche Grammatik sich erstrecken, sondern darüber