Boekgegevens
Titel: Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
Auteur: Bergemann, Paul
Uitgave: Gera: Theodor Hofmann, 1900
Auteursrechten: Zie auteursrechten
Citeerinstructie: Bijzondere Collecties van de Universiteit van Amsterdam, UBM: IWO 670 J 10
URL: http://schoolmuseum.uba.uva.nl/bookid/LCSM_200003
Onderwerp: Pedagogiek: sociale pedagogiek
Trefwoord: Sociale pedagogiek, Handboeken (vorm)
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   Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
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266 III- Teil. Der theoretisclie Aufbau der sozialen Erziehungslehre.
hervor und spottet aller Bemühungen der auf den Vernunftwillen
schwörenden „kritischen" Philosophen und all der schönen Theorien,
die sie in beständiger Reflexions-Arbeit an ihren Schreibtischen
zu Tage fördern.
Bei dieser Gelegenheit sei überhaupt ganz allgemein darauf
hingewiesen, dafs der Mensch durchaus nicht, was man gewöhn-
lich behauptet, ein einheitliches Wesen ist — im Gegenteil.
Wir beobachten sogar trotz der unzweifelhaft vorhandenen syn-
thetischen Thätigkeit des Geistes eine fortschreitende Diffe-
renzierung sowohl unter den praktischen Elementen als auch
unter den theoretischen Kräften der menschlichen Natur. Wir
machen die Wahrnehmung, dals je feiner eine Persönlichkeit aus-
gebildet ist, desto gesonderter und selbständiger ihre verschiedenen
Fähigkeiten, Triebe und Interessen nebeneinander stehen. Diese
Thatsachen der objektiven und der subjektiven Erfahrung spiegeln
sich mit grölster Deutlichkeit in der Beurteilung ethischen Ver-
schuldens wieder. Während dem verschwommeneren Vorstellen pri-
mitiver Zeiten dié böse That des Einzelnen als eine solche er-
scheint, die der ganzen sozialen Gruppe, der er zugehört, zuzu-
rechnen und an ihr zu rächen ist: man denke an die Blutrache,
bei der für den von dem Einzelnen verübten Mord seine ganze
Sippe einstehen und leiden mufs; während dann später und bis in
die neuere Zeit hinein die einzelne Unsittlichkeit als durchgehende
Verderbtheit der Seele gilt und demgemäfs der ganze Mensch ver-
antwortlich gemacht wird, begreifen wir heutzutage mit unserer ver-
feinerten Erkenntnis, dafs Naturanlage, Erziehung oder sonstige Um-
weltseinflüsse einen einzelnen Trieb-, Gefühls- oder Vorstellungs-
kreis verdorben haben können, indels sich der übrige Teil der Persön-
lichkeit durchaus sittlich verhalten mag. Und dementsprechend
halten wir eine Schuld nicht mehr für einfach der Ge-
samtheit der Persönlichkeit zurechenbar, sondern sie
erscheint uns nur als an einem Teile ihrer haftbar. Ganz
besonders klar tritt uns eine solche Art der Beurteilung auf
sexuellem Gebiete entgegen; und in der That vermag man kaum
anderswo so deutlich wie hier sich davon zu überzeugen, dafs so-
gar ziemlich hochgradige Unmoralität auf der einen Seite neben
völliger Tadellosigkeit des sonstigen Verhaltens einhergehen kann.
Solchen, wie den kritisierten Uberzeugungen gemäfs sucht
man nun, z.B. Natorp, zu zeigen, dafs und wie die verschiedenen
Gegenstände des Unterrichtes nicht blofs indirekt der Willens-
bildung zu dienen haben, indem sie die Leuchte der Intelligenz