Boekgegevens
Titel: Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
Auteur: Bergemann, Paul
Uitgave: Gera: Theodor Hofmann, 1900
Auteursrechten: Zie auteursrechten
Citeerinstructie: Bijzondere Collecties van de Universiteit van Amsterdam, UBM: IWO 670 J 10
URL: http://schoolmuseum.uba.uva.nl/bookid/LCSM_200003
Onderwerp: Pedagogiek: sociale pedagogiek
Trefwoord: Sociale pedagogiek, Handboeken (vorm)
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   Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
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§ 29. Häusliche und öffentliche Erziehung. 265
recht schroff gegenüberstehen und sich gegenseitig bekämpfen.
Die eine Partei, zu welcher Natorp gehört, ist der Meinung,
dafs die intellektuelle Bildung einen sehr bedeutsamen Beitrag
zur Willensbildung zu stellen vermöge, weil Intellekt und Wille,
theoretische und praktische Vernunft nur zwei verschiedene Seiten
eines und desselben Dritten seien. Diese Ansicht wurzelt also in
der Überzeugung von der im tiefsten Grunde vorhandenen Ein-
heit des Bewufstseins. Und wenn man die Verstandesbildung in
den Dienst der Willensbildung stellt, so ist das durch die Erkennt-
nis bedingt, dafs erst der „praktische", der wollende und sich be-
thätigende Mensch der wahrhaft wertvolle ist. Das letztere unter-
schreibe ich durchaus: die Erziehung mufs alles thun, um den
Lebensenergismus des Zöglings zu stärken, sie soll ihn ja,
wie wir wissen, zum Kulturarbeiter, zum Kulturkämpfer
heranbilden, zum Menschen, der bereit ist, der werdenden Kultur
sich thätig zu opfern. Da dazu nun nicht blofs Energie, vitale
Kapazität, sondern auch Erkenntnis gehört — denn sonst würde
man ja gar nicht wissen, an welcher Stelle man seine Kräfte ein-
zusetzen und wie man sich dabei zu benehmen hätte — so kann
auch ich von meinem Standpunkte aus getrost sagen: die
intellektuelle Bildung ist in gewissem Sinne als im
Dienste der Willensbildung stehend anzusehen. Was
aber den anderen Punkt betrifft, so ist meine Ansicht die,
dafs die Verstandesbildung so gut wie nichts zur Willensbildung
beizutragen vermag: die Einheit des Bewufstseins ist eine
philosophische Chimäre, das Urgesetz des Bewufstseins, wo-
nach Einheit alles Mannigfaltigen bedingungslos gefordert wird,
desgleichen. Eine traditioneile Auto-Suggestion, nicht eine
aus dem Schachte des Bewufstseins mit Hilfe der Analyse heraus-
geholte Wahrheit — oder vielmehr: herausgeholt wohl, aber nach-
dem man es sich zuvor durch seine philosophische Exzerptions-
und Kompilations-Arbeit hineinsuggeriert hat. Mit Hilfe der Ver-
standesbildung vermag man wohl dem Willen eine Fackel anzu-
zünden; aber ihn zu zwingen, dem Leuchten dieser Fackel stets
nachzugehen, das vermag man nimmermehr. Nicht nur die unterste
Stufe des Willens, über die er sich mit Unterstützung des In-
tellektes allmählich zum Vernunftwillen erhebt, ist das Trieb-
leben, wie Natorp meint, sondern die feste animalische Basis,
auf der er immer ruht. Mag er auch an noch so vielen Zäumen
von dem Verstände gegängelt werden, von Zeit zu Zeit bricht
doch aus der Tiefe des Trieblebens ein Strom glühender Lava