Boekgegevens
Titel: Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
Auteur: Bergemann, Paul
Uitgave: Gera: Theodor Hofmann, 1900
Auteursrechten: Zie auteursrechten
Citeerinstructie: Bijzondere Collecties van de Universiteit van Amsterdam, UBM: IWO 670 J 10
URL: http://schoolmuseum.uba.uva.nl/bookid/LCSM_200003
Onderwerp: Pedagogiek: sociale pedagogiek
Trefwoord: Sociale pedagogiek, Handboeken (vorm)
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   Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
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262 III- Teil. Der theoretisclie Aufbau der sozialen Erziehungslehre.
für die Entwickelung der Betreffenden: denn das hiefse ihre
Natur vergewaltigen, woraus niemals etwas Gutes ent-
steht. Endlich erinnere man sich alles dessen, was über die Vor-
züge der Familienerziehung bereits gegenüber der Anstaltserziehung
gesagt worden ist, und was hier ebenfalls vollste Beachtung ver-
dient: ist die Wirksamkeit der für die Charakterbildung in Be-
tracht kommenden Mittel, der Gewöhnung als des primären, des
Umgangs und Beispiels, des Lohns und der Strafe als der sekun-
dären, durch das Vorhandensein von Autorität und Liebe bedingt,
so ist damit ein nicht mifszuverstehender Fingerzeig gegeben,
wohin dieselbe gehört: nirgends anders hin als in das Haus, als in
die Familie.
Ganz anders als um die Charakter- steht es um die intellek-
tuelle Bildung; auf intellektuellem Gebiete sind einmal die Unter-
schiede nicht so grofs und so fein, und fernerhin sind sie hier
nicht so bedeutsam und vielsagend wie bezüglich der Gemütsver-
anlagung. Natürlich gilt das nur im Hinblick auf den normalen
Durchschnitt, den allein ich immer im Auge habe. Aufserdem
kommt es dabei auf die Übermittelung einer so grofsen Summe
vielseitiger Kenntnisse an, dafs dazu besondere Personen gehören,
welche ihren Lebensberuf darin finden. Die intellektuelle Bildung
der Heranwachsenden kann demnach getrost, ja sie mufs einer
anderen sozialen Institution, eben der Schule überlassen werden.
Alledem gegenüber hat sich nun seit einiger Zeit eine
Strömung geltend gemacht, welche darauf hinausgeht, der Schule
nicht nur die intellektuelle, sondern auch zum grofsen Teile
die Charakterbildung als ihre Aufgabe zuzuweisen. Ja, man sagt
sogar, dafs auf diese die Schule mehr Wert und Gewicht legen
müsse als auf jene: denn die Charakterbildung sei entschieden
wichtiger als jene. Was zunächst diese Behauptung betrifft, so
ist dieselbe irrig; es ist sogar ein verhängnisvoller Irrtum zu
meinen, die intellektuelle Bildung sei etwas, das nicht ebenso
hoch zu schätzen sei wie die Charakterbildung, verhängnisvoll
nämlich im Hinblick auf unsere Kultur. Viemehr muls aufs
stärkste betont werden, dafs sie beide als gleichwertig zu
betrachten sind. Welcher Funktion des menschlichen Geistes
verdanken wir die grofsen Resultate des kulturellen Fortschrittes,
die das Menschengeschlecht bisher zu verzeichnen gehabt hat?
Auf Rechnung welcher psychischen Kraft sind die Kultur-
errungenschaften zu setzen, welche wir mit Stolz und Freude
als die Kennzeichen eines hochentwickelten Lebens rühmen?