Boekgegevens
Titel: Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
Auteur: Bergemann, Paul
Uitgave: Gera: Theodor Hofmann, 1900
Auteursrechten: Zie auteursrechten
Citeerinstructie: Bijzondere Collecties van de Universiteit van Amsterdam, UBM: IWO 670 J 10
URL: http://schoolmuseum.uba.uva.nl/bookid/LCSM_200003
Onderwerp: Pedagogiek: sociale pedagogiek
Trefwoord: Sociale pedagogiek, Handboeken (vorm)
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   Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
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§ 4. Grenzen der Erziehung. 8CH00LMÜ8EUM
§ 3.
Was zum anderen die Vererbung betrifft, so liegen auch hier
eine ganze Menge von Deutungsversuchen vor. Aber ebensowenig
wie bei dem soeben besprochenen Problem ist die Wissenschaft
in diesem Falle bislang zu einem endgiltigen Resultate gekommen.
Was zunächst die Grenzen der Vererbungsfähigkeit betrifft, so sind
dieselben zu verschiedenen Zeiten und von verschiedenen Gelehrten
sehr verschieden gezogen worden. Abgesehen von denen, welche
die Erblichkeit überhaupt leugnen, wie der Philosoph Wollaston,
der davor zurückschreckte, die geistige Vererbung von der leib-
lichen abhängig machen zu müssen; wie Buckle, der in strenger
Konsequenz seiner Ansicht, dafs es überhaupt nichts Eigenartiges
und Individuelles gebe, sondern alles nur Produkt der allgemeinen
Verhältnisse und Gesetze sei, von Vererbung nichts wissen wollte,
abgesehen also von diesen lassen sich hauptsächlich drei Gruppen
von Forschern unterscheiden. Die einen stellen die Vererbungs-
fähigkeit der individuellen Eigenschaften in Abrede und lassen nur
die der typischen, d. h. für die Art charakteristischen gelten, so
der Philosoph Weikard, der Physiolog Bonn et und der Patholog
Louis. Die anderen verwerfen die strenge Scheidung zwischen in-
dividuellen und typischen Eigenschaften überhaupt und beanspruchen
für beide Vererbungsfähigkeit ; dahin gehören Robinet und
Lamarck. Die dritte Gruppe endlich nimmt bald typische bald
individuelle Vererbungsfähigkeit an, lässt bald nur die Erblichkeit
intellektueller, bald blofs die moralischer und charakterologischer
Eigenschaften oder von Krankheitsanlagen gelten. So will die
Schule von Montpellier, an deren Spitze die Professoren Virey
und Lordat stehen, so. will auch Frankenheim von der Ver-
erbung intellektueller Eigenschaften nichts wissen.
Heutzutage besteht kein Zweifel mehr daran, dafs typische
wie individuelle, dafs intellektuelle und moralische Eigenschaften
und Krankheitsanlagen sich vererben. Soweit ist die Thatsache
der Vererbung ganz sicher; jedoch genau umgrenzbar ist sie noch
immer nicht. Namentlich lässt sich für die Vererbung individueller
Eigentümlichkeiten keine nur einigermafsen feste und bestimmte
Grenze ziehen. Man sagt wohl, solche individuelle Eigen-
tümlichkeiten werden vererbt, welche im Leben der Erzeuger
eine besonders hervorragende Rolle spielen; welche in besonders
hohem Grade für ihre Lebenserhaltung und Lebenserhöhung be-
deutsam sind oder in umgekehrter Richtung besonders energisch