Boekgegevens
Titel: Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
Auteur: Bergemann, Paul
Uitgave: Gera: Theodor Hofmann, 1900
Auteursrechten: Zie auteursrechten
Citeerinstructie: Bijzondere Collecties van de Universiteit van Amsterdam, UBM: IWO 670 J 10
URL: http://schoolmuseum.uba.uva.nl/bookid/LCSM_200003
Onderwerp: Pedagogiek: sociale pedagogiek
Trefwoord: Sociale pedagogiek, Handboeken (vorm)
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   Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
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§ 29. Häusliche und öffentliche Erziehung. 257
bild der bürgerlichen Gemeinde, der Gesellschaft, des Staates;
sie weist in kleinem Rahmen deren Gefüge auf: vollständige
Gleichheit in gewisser und doch auch Unterschiede in anderer
Hinsicht. In der Familie lernt das Kind ganz allmählich,
sich auch in die gröfseren Lebenskreise in angemessener
Weise einfügen, indem es in dieselben geradezu ganz von selbst
langsam hineinwächst. Nach dem, wozu es in der Familie an-
gehalten wird, kann es sich im Leben überhaupt richten.
Fassen wir zusammen, so hat sich uns ergeben, dafs die Er-
ziehung weder blofs Einzel- noch ausschliefslich Massener-
ziehung sein darf; dafs vielmehr dies das Richtige ist, wenn jene
beiden Formen nebeneinander bestehen. Wir konnten uns weder
auf die Seite Rousseaus noch auf die Piatons oder Dörings
schlagen. Wir sahen, dafs die beständige Einzelerziehung sich
schon deshalb verbietet, weil sie einfach undurchführbar, ferner
weil sie im höchsten Grade einseitig ist. Aber ebenso mufsten
wir die beständige oder überwiegende Massenerziehung be-
kämpfen; wir fanden, dafs das frühere oder spätere gänzliche
Herausreifsen aus der elterlichen Familie grausam und unklug
ist: grausam im Hinblick auf Eltern und Kinder, unklug in Rück-
sicht auf die Gesellschaft. Die Massenerziehung ist unentbehrlich;
sie ist auch keineswegs, abgesehen von der Anstaltserziehung, ein
blofser Notbehelf. Vielmehr müssen Einzel- und Massenerziehung
sich gegenseitig ergänzen, indem jene als häu.sliche oder Familien-
erziehung individualisieren und differenzieren, diese u. a. als Schul-
erziehung generalisieren und nivellieren soll. Dahin läfst sich in
aller Kürze und am treffendsten der zwischen Einzel- und Massen-
erziehung bestehende Unterschied, der ein solcher aus der Natur
der Sache sich ergebender, also ein natürlicher, keineswegs ein
künstlicher ist, im grofsen und ganzen bestimmen. Aber selbst-
verständlich wird dadurch der öffentlichen Erziehung weder die
Fähigkeit noch die Verpflichtung, auch mit auf die Individualität
des Zöglings zu achten, abgesprochen; ebensowenig wie damit
gesagt werden soll, dafs die FamiHen-Erziehung sich gar nicht
um die bewufste und absichtliche Pflege des Gemeingeistes zu
kümmern habe, aulser und neben der durch sie bewirkten unab-
sichtlichen und unbewulsten, welche, wie wir gesehen haben,
von ihr unzertrennlich, mit ihr gesetzt ist als von selbst sich
ergebende Folge der natürlichen Beschaffenheit, des Wesens der
Familie.
Bergeraaun, Soziale Pädagogik. 17