Boekgegevens
Titel: Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
Auteur: Bergemann, Paul
Uitgave: Gera: Theodor Hofmann, 1900
Auteursrechten: Zie auteursrechten
Citeerinstructie: Bijzondere Collecties van de Universiteit van Amsterdam, UBM: IWO 670 J 10
URL: http://schoolmuseum.uba.uva.nl/bookid/LCSM_200003
Onderwerp: Pedagogiek: sociale pedagogiek
Trefwoord: Sociale pedagogiek, Handboeken (vorm)
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   Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
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256 III- Teil. Der theoretisclie Aufbau der sozialen Erziehungslehre.
erziehung der Gemeingeist besser gepflegt werde als durch die
häusliche Erziehung; man wirft ferner den Eltern vor, dafs sie
zur Erziehung unfähig seien. Was diesen Vorwurf betrifft, so
mufs leider zugegeben werden, dafs er sehr oft mit Recht erhoben
werden mufs; aber ich bin nicht der Meinung, dafs alle Mittel,
Abhilfe zu schaffen, als ungeheuerliche Anforderungen zu bezeichnen
und abzuweisen seien: darüber werde ich später mich ausführlicher
verbreiten. Nehmen wir vorläufig auf guten Glauben hin an, dafs
es möglich sei, die Eltern zur Erziehung ihrer Kinder in irgend
einer Weise fähig zu machen, so gilt es nur noch, den anderen
der beiden gegen die Familienerziehung erhobenen Einwände zu
widerlegen, soweit das nicht bereits implicite durch alles das
geschehen ist, was ich von den Vorzügen der Familienerziehung
gesagt habe. Nun ist allerdings zunächst einmal ganz sicher, dafs
dieselbe für sich allein nicht ausreichend sein würde, um in ganz
vollkommener Weise den Gemeingeist der Kinder, ihr Zugehörig-
keitsgefühl, ihr Solidaritätsbewufstsein in vollem Umfange
zu wecken und zu stärken. Aber sie soll ja auch gar nicht allein
bestehen, es soll sich ja gar nicht blofs um Familienerziehung
handeln; sondern es ist ja dies als das Richtige bezeichnet worden,
dafs Familien- und öffentliche Erziehung nebeneinander hergehen.
Dafs aber auch die Familienerziehung schon an und für sich,
natürlich die gute, diejenige der Familie, wie sie sein soll, in
hohem Grade dazu geeignet ist, den sozialen Sinn zur Entfaltung
zu bringen, das will ich jetzt noch besonders zeigen. In der
Familie treten uns die drei Grundformen des sympathischen Ver-
haltens von Mensch zu Mensch in der reinsten Ausprägung ent-
gegen. In dem Verhältnisse zwischen Eltern und Kindern das
vom Höheren zum Niederen, in dem zwischen Kindern und Eltern
das vom Niederen zum Höheren und endlich in dem zwischen
den Gatten einer- imd den Geschwistern anderseits bestehenden das
vom Gleichen zum Gleichen. Somit ist die Familie eine soziale
Erziehungs-Institution ganz vortrefflicher Art und hat als solche
den Vorzug, nicht eine künstliche, sondern eine natürliche, ganz
von selbst sich ergebende zu sein. Es liegt angesichts dieser
Thatsache wahrlich nahe, auf die bekannten Goetheschen Verse
hinzuweisen: „Warum in die Weite schweifen, sieh, das Gute liegt
so nah!" Ein Mensch, der durch diese Schule hindurchgegangen,
der innerhalb der elterlichen Familie aufgewachsen ist, wird sicher-
lich nicht ohne Gemeingeist, wird gewifs nicht ein ungesellschaft-
licher Sonderling sein. Die Familie ist gleichsam ein Miniatur-