Boekgegevens
Titel: Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
Auteur: Bergemann, Paul
Uitgave: Gera: Theodor Hofmann, 1900
Auteursrechten: Zie auteursrechten
Citeerinstructie: Bijzondere Collecties van de Universiteit van Amsterdam, UBM: IWO 670 J 10
URL: http://schoolmuseum.uba.uva.nl/bookid/LCSM_200003
Onderwerp: Pedagogiek: sociale pedagogiek
Trefwoord: Sociale pedagogiek, Handboeken (vorm)
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   Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
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254 III- Teil. Der theoretisclie Aufbau der sozialen Erziehungslehre.
blofs bei den Eltern möglich; nur sie können ganz dem Luther-
schen Grundsatze gemäfs handeln, dem Grundsatze nämlich, den
Apfel bei der Rute liegen zu lassen. Davon, dafs die Strenge
nur ein Ausflufs der Liebe ist, läfst sich das Kind leicht über-
zeugen, wenn jene von den Eltern ausgeht; denn deren Liebe ist
es als einer ganz natürlichen Sache, als etwas, das gar nicht an-
ders sein kann, sicher. Dem berufsmäfsigen Erzieher gegenüber
fehlt diese Sicherheit; in ihm sieht es zumeist blofs den Herrn,
unter dessen Willen es sich beugt, weil es eben mufs, dem gegen-
über es sich aber vorbehält, dem eigenen Belieben zu folgen,
wenn es erst seiner Leitung glücklich entronnen ist. Nur die
Eltern können dem Kinde mit jenem warmen Hauche der Liebe
nahen, der auch die Strenge als ein sanftes Joch erscheinen läfst,
und der mit dieser im Verein das Wesen des Kindes erst zu
einem so harmonischen gestaltet, dafs es in seinen Äufserungen
wahrhaft uns entzückt.
Hier möchte ich auch nochmals die Aufmerksamkeit auf das,
was ich schon oben sagte, hinlenken, dafs es nämlich heifst, aus
dem Leben eines Menschen ein Stück grofsen und edlen Glückes
hin wegnehmen, wenn man ihn seiner Familie entreifst. Eine
Glücksquelle zu verstopfen, sollte man nun nicht so schnell bei
der Hand sein; man sollte erwägen, dafs Glücksgefühlen eine
grofse treibende Kraft innewohnt; dafs die Erinnerung an eine
schöne, im Schofse der elterlichen Familie verlebte Kindheit auf
das ganze fernere Leben mit allen seinen Kämpfen und Stürmen
einen verklärenden Schimmer wirft. Diese Erinnerung ist wahr-
haft ein Paradies und zwar ein solches, aus dem uns nichts ver-
treiben kann; in das wir flüchten können, so oft wir wollen, so
oft wir danach Verlangen tragen und Bedürfnis haben; in dem
wir verweilen dürfen, so lange es uns immer beliebt. Und ferner
möchte ich auch auf die von der Familie ausgehende Anregung
für die spätere Lebensgestaltung des Kindes hinweisen. Wer in
seiner Jugend ein geordnetes Familienleben mit allen seinen
Reizen, all seinem Glück kennen gelernt hat, der wird, zur Reife
gelangt, den lebhaften Wunsch hegen, selbst einen häushchen
Herd, selbst eine Familie zu gründen. Ein Mensch dagegen, der
nicht in seiner Kindheit die Freuden des Familienlebens kennen
gelernt hat, wird viel weniger leicht geneigt sein, sich zu ver-
heiraten ; ihm wird die Gründung eines eigenen Herdes, einer
eigenen Familie weit weniger am Herzen liegen. Er wird das
Leben eines Hagestolzen nicht unerträglich finden; aber der