Boekgegevens
Titel: Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
Auteur: Bergemann, Paul
Uitgave: Gera: Theodor Hofmann, 1900
Auteursrechten: Zie auteursrechten
Citeerinstructie: Bijzondere Collecties van de Universiteit van Amsterdam, UBM: IWO 670 J 10
URL: http://schoolmuseum.uba.uva.nl/bookid/LCSM_200003
Onderwerp: Pedagogiek: sociale pedagogiek
Trefwoord: Sociale pedagogiek, Handboeken (vorm)
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   Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
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§ 29. Häusliche und öffentliche Erziehung. 251
selben vielleicht sogar potenziert eigen sind, so dafs es die elter-
lichen Leistungen noch wird übertreffen können. So ist ihnen
das Kind ein Gegenstand aufmerksamster Fürsorge, dem gegenüber
sie zu allen Opfern bereit sind; dessen Erziehung und Ausbildung
ihnen vor allen anderen Dingen am Herzen liegen. Den Eltern
das Kind entreilsen, um es mit anderen Kindern in öffentlichen
Anstalten erziehen zu lassen, ist demnach eine Grausamkeit ohne
gleichen; es heifst das, die Eltern des Kindes, namentlich die
Mutter, aufs tiefste verletzen und verwunden. Aber nicht das
allein kommt dabei in Frage; wäre eine solche Mafsregel erforder-
lich um des Wohles der Gesellschaft und desjenigen des Neu-
geborenen selbst willen, so müfste es dennoch geschehen: dann
wäre eine Rücksichtnahme auf zarte Gefühle eine thörichte Senti-
mentalität. Und in der That, bisweilen wird man so verfahren
müssen; denn in gar nicht seltenen Fällen bedeutet das Verbleiben
des Kindes in der elterlichen ITamilie ein Unglück für es selbst
und eine Schädigung der Gesellschaft. Doch sehen wir jetzt von
einer derartigen Möglichkeit ab, so müssen wir weiterhin sagen:
es ist nicht blofs eine unnütze Grausamkeit, das Kind seinen
Eltern zu entziehen; sondern es ist das geradezu ein Verbrechen,
begangen zwar in der besten Absicht, aber nichts desto weniger
ein Verbrechen, verübt an dem Kinde sowohl als auch an der
Gesellschaft und zwar aus keinem anderen Grunde als dem
mangelnder Einsicht, aus falsch verstandenem, falsch aufgefafstem
Patriotismus. Erinnern wir uns des bereits Gesagten. Das Kind
steht in erster Linie zu seinen Eltern in engster Beziehung; zu
Volk und Menschheit hat es eine Beziehung nur durch seine
Eltern. Die enge Verbindung, die zwischen Kind und Eltern
ganz zweifellos besteht, weist unbedingt das Kind auf die Für-
sorge seiner Eltern hin und läfst es als eine Absurdität erscheinen,
wenn man es derselben entziehen und derjenigen fremder Menschen
anvertrauen will, die eben deshalb, weil sie fremde Menschen sind,
gar nicht das rechte Verständnis dafür haben können, was dem
Kinde besonders notthut. Und dieses Verständnis kann auch
durch das sorgfältigste Studium nicht in hinreichendem Mafse er-
worben werden, in gewisser Hinsicht, im grofsen und ganzen
wohl, aber nicht bis zu dem Grade, dafs alle die feinen Nüancen
im Temperament, im Naturell, in den Neigungen des Zöglings
erfafst werden können; diese werden vielmehr nur denjenigen
offenbar, welche gewissermafsen mit dem Kinde wesensgleich sind.
Aber gerade von deren Beachtung oder Nichtbeachtung hängt oft