Boekgegevens
Titel: Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
Auteur: Bergemann, Paul
Uitgave: Gera: Theodor Hofmann, 1900
Auteursrechten: Zie auteursrechten
Citeerinstructie: Bijzondere Collecties van de Universiteit van Amsterdam, UBM: IWO 670 J 10
URL: http://schoolmuseum.uba.uva.nl/bookid/LCSM_200003
Onderwerp: Pedagogiek: sociale pedagogiek
Trefwoord: Sociale pedagogiek, Handboeken (vorm)
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   Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
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§ 29. Häusliche und öffentliche Erziehung. 249
Gegensatze zu seinem grolsen Zeitgenossen Jean Jacques: „Die An-
•staltserziehung ist die einzig empfehlenswerte; denn von ihr allein
darf man sich wahre Patrioten versprechen. Sie ist allein vermögend
in dem Gedächtnisse der Bürger den Begriff vom persönlichen
Glücke mit dem Begriff vom National-Glück fest zu vereinigen."
Es ist dies der nämliche Grund, den Piaton schon infolge seiner
Begeisterung für spartanische Verhältnisse für das Nacheinander
der Einzelerziehung, die bis zum siebenten Jahre dauern soll, und
der Massenerziehung, die von da an beginnt und bis zum zwanzigsten,
ja teilweise sogar bis zum fünfunddreifsigsten Jahre reicht, ins
Treffen geführt hat, und dem wir auch in der Gegenwart wiederum
nicht selten begegnen: auch heutzutage giebt es nicht wenige
Schwärmer für die Anstaltserziehung, welche meinen, dafs nur so
der rechte Gemeingeist gepflegt werden könne. Wie sehr ver-
kennen alle diese Leute die hohe soziale Bedeutung der Familie,
und wie wenig kennen sie die Bedürfnisse der menschlichen Natur!
Die alleinige, ja auch die vorwiegende Massenerziehung ist
ebenso zu verwerfen wie die blofse Einzelerziehung. Würde diese
die Herausbildung gesellschaftlicher Sonderlinge zur Folge
haben, so jene die menschlicher Dutzend-, menschlicher
Fabrikware. Die Massen-, im besonderen die Anstaltserziehung
liefert, indem sie, wie dies eben in der Natur der Sache liegt,
alles gleicht und ebnet, alles nivelliert. Alltagsmenschen, und
mit solchen läfst sich freilich am leichtesten Staat und Gesellschaft
aufbauen, wie man ja auch mit gleichförmigen Backsteinen am
bequemsten Häuser baut. Die Familienerziehung dagegen, so sehr
sie auch die soziale Natur des Menschen gleichzeitig mit zur Ent-
faltung bringt, läfst sich nicht minder die Entwickelung seiner
persönlichen Eigenart angelegen sein; und gerade das ist es, was,
wie wir schon im zweiten Teile gesehen haben, für die Fortent-
wickelung des Menschengeschlechtes, für die Kulturentwickelung
von der gröfsten Bedeutung, ganz unentbehrlich ist; denn diese
Entwickelung beruht ja auf der Differenzierung der Menschen, der
beständig zunehmenden und immer mehr und mehr sich ausbreiten-
den Differenzierung. Gewifs soll der Jugend ein starker Gemein-
geist eingepflanzt werden, oder vielmehr: der Gemeingeist soll in
den Heranwachsenden geweckt und sorgfaltig gepflegt, sie sollen
zum vollen und klaren Bewufstsein des sozialen Zusammenhanges
geführt werden; sie sollen begreifen lernen, dafs jeder Mensch in
seiner ganzen Individualität, in allem, was er ist und hat und
kann, sozial bedingt ist, damit sie dereinst sich mit ihren, infolge