Boekgegevens
Titel: Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
Auteur: Bergemann, Paul
Uitgave: Gera: Theodor Hofmann, 1900
Auteursrechten: Zie auteursrechten
Citeerinstructie: Bijzondere Collecties van de Universiteit van Amsterdam, UBM: IWO 670 J 10
URL: http://schoolmuseum.uba.uva.nl/bookid/LCSM_200003
Onderwerp: Pedagogiek: sociale pedagogiek
Trefwoord: Sociale pedagogiek, Handboeken (vorm)
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   Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
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§ 29. Häusliche und öffentliche Erziehung. 247
vor. Wofür sollen wir uns nun entscheiden? Betrachten wir da
zunächst einmal die beiden Extreme, wie sie z. B. auf der einen
Seite Rousseau und auf der anderen Döring vertreten, etwas
näher. Rousseau will, dafs von der Geburt an ein Zögling von
einem Erzieher bis zur Erlangung der vollen geistigen und leib-
lichen Reife, bis zur Ehe, geleitet werde; er sagt ausdrücklich:
„Pour être bien conduit, l'enfant ne doit suivre qu'un seul guide."
Meiner Meinung nach kann es keinem Zweifel unterliegen, dafs
dies völlig verkehrt, dafs weder die Einheit des Erziehungssubjektes
noch die des Erziehungsobjektes nötig ist; ja, ich halte dafür,
dafs eine solche Einheit geradezu vom Übel ist. Was in erster
Linie die persönliche Einheit des Trägers der Erziehung anlangt,
so leuchtet bei der Kompliziertheit unserer Kultur zunächst einmal
ohne weiteres ein, dafs dieselbe überhaupt nicht möglich ist; zur
alleinigen Leitung der Gesamt-Erziehung wäre nur eine Art von
Übermensch befähigt. Man denke sich doch einmal einen einzigen
Menschen mit allen fünf Erziehungsfunktionen, die ich aufgestellt
habe, betraut. Ganz abgesehen von der Universalität der Be-
gabung und der Allseitigkeit der Vorbildung, die zur erspriefs-
lichen Erfüllung einer solchen Aufgabe gehören, von welch einer
titanenhaften psycho-physischen Konstitution müfste der Mensch
sein, der einer solchen riesigen Aufgabe lange Jahre hindurch
(nach Rousseaus Forderung 25) ohne Ausruhen, ohne Rast, ohne
Unterbrechung und Ausspannung gewachsen sein sollte. Aber
selbst angenommen, es gäbe dergleichen Halbgötter, so würde eine
solche Erziehung doch stets an einem sehr grofsen Fehler leiden,
nämlich an dem der Einseitigkeit. Nicht ein Erzieher,
sondern eine Mehrheit von Erziehern ist vielmehr
wünschenswert, ja unbedingtes Erfordernis.
Wie aber eine Mehrheit von am nämlichen Erziehungsgeschäfte
beteiligten Erziehern, so ist auch eine Vielheit von Er-
ziehungsobjekten für dasselbe erforderlich, d. h. nicht Einzel-
sondern Massenerziehung ist, wenigstens teilweise, vonnöten.
Die Massenerziehung spart Zeit und Kraft; und wäre auch kein
Grund vorhanden, in dieser Hinsicht sparsam zu sein, so würde
die beständige Einzelerziehung dennoch unmöglich sein aus Mangel
an Erziehern. Zwangsweise Abhilfe aber würde eine Schranke
finden an der natürlichen Begabung, welcher zufolge nicht jeder
zum Erzieherberufe sich eignet, und an der Erwägung, dafs
dadurch anderen Kulturaufgaben so gut wie alle Kräfte entzogen
werden würden. Zudem ist die Massenerziehung für die Zuer-