Boekgegevens
Titel: Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
Auteur: Bergemann, Paul
Uitgave: Gera: Theodor Hofmann, 1900
Auteursrechten: Zie auteursrechten
Citeerinstructie: Bijzondere Collecties van de Universiteit van Amsterdam, UBM: IWO 670 J 10
URL: http://schoolmuseum.uba.uva.nl/bookid/LCSM_200003
Onderwerp: Pedagogiek: sociale pedagogiek
Trefwoord: Sociale pedagogiek, Handboeken (vorm)
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   Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
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§ 28. Struktur und Organisation der sozialen Psyche. 243
Zahl von individualen Psychen gegeben, welche die erhaltenen
Eindrücke selbständiger zu verwerten fähig und weiterhin sogar
imstande sind, ihrerseits auf die soziale Psyche umbildend einzu-
wirken, wenigstens den Anstofs zu solcher Umbildung zu geben.
Und jedenfalls bedarf, wie wir ebenfalls bereits wissen, die soziale
Psyche überhaupt einiger Individuen, um sich sammeln und selbst-
bewufst und energisch auf bestimmte Ziele konzentrieren zu können.
Wie die individuale so ist demnach auch die soziale Psyche ein
sehr kompliziertes Gebilde, das zudem hinter jener an Beweglichkeit
zurücksteht, indem ihr ja im entscheidenden Augenbhck die Fähig-
keit thatkräftiger Sammlung und sicherer Zielbewulstheit mangelt,
sie vielmehr in dieser Hinsicht auf die individualen Psychen an-
gewiesen ist. Ferner wohnt der sozialen Psyche, was den Ein-
druck der Schwerfälligkeit noch verstärkt, eine gröfsere Stabili-
tät als der individualen inne; das kommt ganz naturgemäfs
daher, dafs sie, wenngleich nicht absolut unvergänglich, doch un-
endlich viel dauerhafter ist als die letztere: sie ist lange vor ihr
da und bleibt nach ihr bestehen; ihr Leben bemilst sich nach
Jahrhunderten und Jahrtausenden, während das der individualen
Psyche im Durchschnitt kaum ein halbes Jahrhundert umfafst.
Endlich unterscheidet sich die soziale von der individualen Psyche
dadurch, dafs die erstere nicht blofs in der Art wie die letztere ein
sehr kompliziertes Gebilde ist, indem die verschiedensten Bestand-
teile in ihr zu einer gewissen einheitlichen psychischen Gesamtheit,
einer Kollektivkraft zusammengefafst sind, sondern dafs sie sich
auch in einer Stufenfolge von in sich mehr oder weniger ge-
schlossenen und einheitlichen Kollektivkräften zweiten Grades auf-
baut, so dafs die soziale der individualen Psyche niemals und
nirgends als eine ungeteilte und unteilbare Macht gegenübersteht.
Gewifs ist letzten Endes stets die soziale Psyche für das Denken,
Fühlen, Wollen und Handeln des Individuums mafs- und aus-
schlaggebend, aber zumeist in mittelbarer Weise, indem jede
engere Gemeinschaft, in welcher von Natur aus Übereinstimmung
im Vorstellen, Fühlen und Wollen herrscht, wie in der Familie,
oder welche sich infolge übereinstimmender Vorstellungen, Gefühle
und Strebungen bildet, wie der Berufsverband, zunächst und un-
mittelbar bestimmend auf das individuale Denken, Fühlen und
Wollen einwirkt, namentlich auf das letzte und das daraus resul-
tierende Thun, wobei aber immer der Zusammenhang mit dem
Gesamtgeiste gewahrt bleibt. Denn wenn auch der in einer
solchen engeren Gemeinschaft herrschende Geist, der sich in mehr
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